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Das Ohr aus Illinois – Kybernetische Maschinen als lebhafte Artefakte
Das Ohr aus Illinois – Kybernetische Maschinen als lebhafte Artefakte
Vortrag und Buchpräsentation

Jan Müggenburg
Das Ohr aus Illinois – Kybernetische Maschinen als lebhafte Artefakte

DI 22.05.2018, 18.00 Uhr
Institut für Zeitgeschichte, Seminarraum 1
Spitalgasse 2-4, Hof 1, 1090 Wien

Abstract:
»Ich war zu Tränen gerührt, als Murray Babcock mir an unserem kybernetischen Institut eines Tages sagte: ›Ich habe diesen Dynamic Analyzer gebaut, aber ich weiß immer noch nicht, wozu er eigentlich gut sein soll«. Die Worte Heinz von Foersters über seinen Mitarbeiter wirken auf den ersten Blick befremdlich. Als Ingenieur arbeitete Babcock für Foerster in den 1960er Jahren am Biological Computer Laboratory (BCL) der University of Illinois in Urbana-Champaign und hatte den Auftrag, kybernetische Maschinen nach dem Vorbild biologischer Funktionsweisen zu konstruieren. Der Dynamic Signal Analyzer sollte eigentlich das nur wenige Millimeter große menschliche Innenohr imitieren und gehörte zu den Vorzeigeprojekten des BCL. Wenn aber am Ende eines mehrjährigen Projektes ein raum­füllender Apparat steht, von dem selbst ihr Konstrukteur nicht mehr so richtig weiß, ›wozu er eigentlich gut sein soll‹, dann ist in der Übersetzungskette von der Natur zur Maschine scheinbar etwas aus den Fugen geraten.
In meinem Vortrag möchte ich zeigen, dass die vermeintliche Loslösung von einem ursprünglichen Referenten jedoch nicht als Scheitern eines Übertragungsprozesses aus der Natur in die Technik, sondern ganz im Gegenteil als ein charakteristisches Moment kybernetischer Modellbildung in den 1960er-Jahren verstan­den werden muss. Gerade weil Babcocks künstliches Ohr seine eigene Modell­wirklichkeit erzeugte, konnte es als Projektionsfläche für die Erwartungen von militärischen Mittelgebern, als Plattform zur Exploration von Theorien sowie als Archiv für andere Modelle dienen. Die epistemologische Legitimität kybernetischer Maschinen, so meine These, leitete sich nicht aus einer möglichst exakten Nachahmung ihrer natürlichen Vorbilder ab, sondern aus ihrer eigenen Performativität und Überzeugungskraft als lebhafte Artefakte.


Der Vortragende :

Jan Müggenburg ist Juniorprofessor für Medien- und Wissenschaftsgeschichte am Institut für Kultur und Ästhetik Digitaler Medien der Leuphana Universität in Lüneburg. Er forscht zur Geschichte Digitaler Kulturen und leitet gemeinsam mit Wolfgang Hagen das von der DFG geförderte Projekt „Medien der Assistenz“.



Buchpublikation:
Jan Müggenburg, Lebhafte Artefakte. Heinz von Foerster und die Maschinen des Bio­logical Computer Laboratory, Göttingen: Wallstein 2018 (Konstanz University Press) 380 S., 57 Abb., brosch., 15,5 x 23,0 cm ISBN: 978-3-8353-9103-1

Eine Veranstaltung der Heinz von Foerster Gesellschaft und des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, gefördert vom Dekanat der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät
 
 
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Campus der Universität Wien, Altes AKH
Spitalgasse 2
1090,Wien (AUT)
http://campus.univie.ac.at/

Institut für Zeitgeschichte, Seminarraum 1, Hof 1
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