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eSeL Foto: Cybernetics of the Poor (Kunsthalle Wien, 9.2.-25.4.2021)

eSeL Foto: Cybernetics of the Poor (Kunsthalle Wien, 9.2.-25.4.2021)

Jenen komplexen Systemen, die durch das Sammeln, Systematisieren und Verwerten von (zunehmend: digitaler) Information Macht und Kontrolle ausüben, kann nur mit Gegenmacht begegnet werden. Und diese haben die Kurator:innen Diedrich Diederichsen und Oier Etxeberria (mit Extra-Brainpower von Master-Student:innen der Critical Studies) bei „Cybernetics of the Poor“ im Erdgeschoss der Kunsthalle eindeutig im Betriebssystem Kunst und dessen machtvollen Diskursen verortet.

Die Schau scheint an direkten Allianzen mit dem Publikum wenig interessiert, bietet aber mittels Begleitheftchen als unverzichtbarer Ausstellungsbegleiter Einblick, welche Lesarten an Bedeutung den Werken im Ausstellungszusammenhang zugedacht sind. Das ist als Denkübung (zusätzlich zur Zuordnung von verwirrend verstreuten Werkinfos zu den Werken bzw. deren Textbrocken im Fliesstext im Heftchen) eine Herausforderung: ein bisschen wie Sudoku als Schnitzeljagd durch’s Diskurslexikon. Für den eSeL letztlich ein unbefriedigendes Erlebnis, auch wenn manche Einzelwerke durchaus erhellende Reflexionen erlaubten.

Als Gesamtbild einer kritischen Geisteshaltung ist die versammelte Ästhetik hübsch anzusehen, aber es bleibt beim Distanzverhältnis. Beim textlosen Betrachten läuft man zum Beispiel Gefahr, die kühlen geometrischen Formen von Jon Mikel Euba als leere Hüllen misszuverstehen und nicht als „Container von unbestimmten, doch wohlbeschriebenen Formen von Gebrauch“. Zwinkersmilie. Schlechtes Gewissen wegen böser Worte über eine Ausstellung, die vielleicht klüger ist als ich, kann man immerhin mit „GuiltCoin“ abbezahlen – eine unerwartete Anlaufstation ironischer Distanz in der Schau.

Vielleicht aber ist gesunder Zorn im Angesicht der eigenen Ohnmacht eine angemessene Selbst-Aktivierung in dieser Ausstellung, sonst endet man in falscher Idylle wie die niedlichen Plastilin-Männchen von Robert Adrian X, die in ihren Vitrinen ahnungslos bunt ihrem Miniaturleben nachgehen (Begleittext: um mit Geldjobs ihr Künstler:innendasein finanzieren zu können) ohne zu ahnen, wie übergroße Mächte jenseits ihres Diesseits schalten und verwalten.

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