Anna Witt: Microsozial

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Dienstag 27. März 2018
27. März 2018
Di
19:00
Anna Witt: Microsozial
Demonstrationsraum der Studierenden der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, A - 1010 Wien, Aula

Eröffnung, 11.03.2008, 19.00 h
Anna Witt
im Gespräch mit Julienne Lorz, Assistenz Kuratoren, Haus der Kunst, München

Anna Witts performative Interventionen und Videoinstallationen beschäftigen sich mit der Konstruktion kultureller Stereotype und der Positionierung von Individuen innerhalb sozialer Systeme an vorrangiger Stelle. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen fiktionaler Reinszenierung und dokumentarischer Präsentation und beleuchten die Problematik der Subjektbildung in Beziehung zu Identitätspolitik, kollektivem Rassismus und Staatsbürgerrechten. Witts Videoinstallation “Roles” (2008) bringt die Erwartungen des Betrachters insofern durcheinander, als schwarze und aus dem Mittleren Osten stammende Schauspieler exzessiv improvisierend die Rolle eines radikalen rechten weißen Skinhead übernehmen. Die Tonspur gibt ein Gespräch zwischen der Künstlerin und den im deutschsprachigen Medienbereich tätigen Freiberuflern mit unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen wieder. Darin deutet sich an, wie sehr ihre Arbeit und ihre persönlichen Erfahrungen von der “Einschreibung der Rasse” (Frantz Fanon) in die Haut abhängen. Witt geht der Artikulation von Rollen in einer Gesellschaft nach, die sich als gerecht und tolerant versteht – ein Zugang, der auf die konstitutive Funktion “des Blicks” als Ort von Macht und Wissen verweist, wie ihr Video “Heimfront” (2007) beschreibt. Mit der während eines Aufenthalts in den Niederlanden realisierten Arbeit reagierte sie auf ein von den Medien des Landes behandeltes Thema: die Laschheit politischer Initiativen. Die Künstlerin bat Fremde, ein Transparent gegen Phänomene im öffentlichen Raum zu machen, die ihnen nicht gefielen. Auch in diesem Fall sind Bilder und Tonspur getrennt. Man hört, wie die Künstlerin einen Passanten fragt, wie er das Problem lesen würde. In “Empower Me” (2007) lädt Witt Passanten ein, die Rolle von Geiseln zu spielen, wie sie immer wieder im Fernsehen vorkommen. Dem Grundsatz unerwarteter konzeptueller Umschwünge treu, übernimmt sie die Rolle der Person, von der die Geiseln gefangen gehalten werden, und artikuliert die Bedürfnisse der Gekidnappten, um beim Betrachter ein Gefühl der Dringlichkeit aktiverer Stellungnahmen im politischen Leben zu wecken. (DB)

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