Er habe Geschichten erfunden und sei dabei in der Realität gelandet, befand Jean-Luc Godard einmal, „aber hinter der Realität ist wieder Fiktion“. Andrei Tarkowski sah im Kino die ultimative Menschheitserfindung zur Konservierung von Zeit, und Ingmar Bergman meinte: „Nur das Vergängliche bleibt.“ Mariano Pensotti, einer der interessantesten jungen Theaterautoren und -regisseure Argentiniens, schreibt und inszeniert ein Stück über vier Filmemacher in Buenos Aires: über die Filme, an denen sie ein Jahr lang arbeiten, über die Leben, die sie in dieser Zeit leben, und über die Stadt, in der all diese Lebens- und Filmgeschichten sich ereignen und spiegeln. Fünf Schauspieler in zahlreichen Rollen erzählen all dies simultan, bringen die vier mal zwei Geschichten auf die Bühne, als wäre diese ein Split Screen – virtuoses Film-Theater, ganz ohne den Einsatz von Video- oder Filmprojektionen. Während das Theater per se eine vergängliche Kunst ist, wollen Filmemacher zumeist ihre Zeit und ihre Erfahrung für die Ewigkeit festhalten. Bleibt nur, was wir tun – und vergeht, wer wir sind? Wie viel von unserer Persönlichkeit basiert auf konsumierter Fiktion, aus Büchern, Filmen, Fernsehen?
Publikumsgespräch am 24. Mai im Anschluss an die Vorstellung.