Was bleibt nach über 20 Jahren Beziehungskiste zwischen Ost- und Westdeutschland? Lebt man noch immer aneinander vorbei? Mit SCHUBLADEN starten She She Pop den erneuten Versuch einer Annäherung. „Wiedervereinigung“ wird in SCHUBLADEN als Beziehungsarbeit gedacht. Sie wird nachträglich und live für drei Ost-West-Paare zur konkreten Aufgabe auf der Bühne: Sechs Performerinnen sitzen einander in Paaren in einem Raum gegenüber, der sowohl Archiv als auch Freizeitheim ist. Sie müssen sich miteinander bekannt machen. Wer bist du? Wie bist du die Frau geworden, als die du mir heute begegnest? Die Performerinnen ziehen ihre Schubladen auf: Diese sind vollgestopft mit Briefen, Tagebuchauszügen und dem Soundtrack ihrer Leben. Es wird in Erinnerungen gekramt, es wird sortiert, kombiniert, diskutiert. Die einzelnen, subjektiven Erzählungen mäandern entlang der oder entgegen den großen Weltanschauungen. Unangenehme Fragen kommen auf den Tisch, die nach bestem Wissen beantwortet werden, ohne Rückgriff auf objektive, verlässliche Quellen. Wie in jeder guten oder schlechten Beziehung spielen Missverständnisse und Projektionen eine entscheidende Rolle. Die Performerinnen werden versuchen, ehrlich das Maß an Nähe aufzuzeigen, das zwischen ihnen möglich ist. In SCHUBLADEN entsteht eine kollektive und vielstimmige, zutiefst subjektive Chronik der ost-west-deutschen Geschichte.
Mit SCHUBLADEN kehren She She Pop ins brut zurück und setzen ihre Reihe autobiografischer Generationen-porträts fort. Bereits 2010 bat die Gruppe in ihrem Stück Testament im brut die eigenen Väter auf die Bühne, um gemeinsam mit King Lear nach den Tauschbedingungen zwischen gerechtem Erbe und Altersvorsorge zu fragen.
Am 8. Februar findet im Anschluss an die Vorstellung ein Publikumsgespräch statt.