Opening: Donaufestival - Nodes, Roots & Shoots

Öffentlichkeit Eröffnung Festival
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NODES, ROOTS & SHOOTS

Oder:

Eine kleine Geschichte des Festivals zwischen inhaltlicher Umwertung und Ausdehnung des Netzwerkgedankens

Mit „Nodes, Roots & Shoots” rückt ein inhaltliches Gestaltungsprinzip des Festivals als Titel in den Vordergrund. Knoten, Wurzeln und Triebe - Begriffe aus der pflanzlichen Anatomie sind auch die Symbole für Schaltstellen künstlerischer Netzwerke. Neben dem Darstellen ästhetischer und gedanklicher, weltweiter Verflechtungen war es dem Festival seit 2005 auch ein Anliegen, Vernetzungen über Genregrenzen und Medien hinweg zu erzeugen und zu ermöglichen.

Am Anfang stand der Paradigmenwechsel, der inhaltliche wie ästhetische Umwertungsprozess im Mittelpunkt der Kommunikation einer neuen Festivalidee. „Ausweitung der Kampfzonen”, so das von Houellebecq entlehnte Festivalmotto des Jahres 2005, war eine Art Exposition, die sowohl einen inhaltlichen wie auch ästhetischen Wandel signalisieren sollte. Das neue Modell für ein zeitgenössisches Kunstfestival verweigerte sich bewusst einer klassischen, „modernen” Kunstauffassung, die sich an den bürgerlichen Ästhetiken, Rezeptionsmechanismen und Institutionen reibt, sondern läutete bewußt einen Paradigmenwechsel ein: nicht mehr die bürgerliche Kunst- und Gesellschaftsnorm sondern der Mainstream der Pop- und Medienkultur waren die Angriffsflächen der neuen donaufestival-KünstlerInnen. Pop wurde so einerseits Thema, andererseits auch das Agitationsfeld von kritischen und innovativen neuen Kunstformen.

So bekamen neue „Avantgarden” und neue Kontexte ihr „hochkulturelles” Podium. Die „Popkultur als Schlachtfeld des Experimentellen” war der Grundstein für das netzwerkende Arbeiten, das von Anfang an in der Verwebung unterschiedlicher künstlerischer Medien und Kontexte bestand. Mit „Unprotected Games”, “Angst, Obsession, Beauty” und „Failed Revolutions” verlagerte sich der Fokus von der Behauptung einer Initiationsidee in gesellschaftspolitisch verfeinerte Schichten - aber ganz im Sinne der inhaltlichen Festivalumpolung aus dem Jahr 2005. Das Thema von 2011, „Nodes, Roots & Shoots”, legt nun ein inhaltliches Prinzip frei, das eine verbindende Tiefenschicht zwischen den vergangenen Jahren und der Zukunft des Festivals freilegt.

Netzwerke in künstlerischer und auch gesellschaftspolitischer Hinsicht sind seltsame Gewebe von Referenzen, Kooperationen, eines gedanklichen wie ästhetischen Austausches. Ihr weltweiter und zusehends über kulturelle Grenzen hinausgehender Exkurs ermöglicht die Fokussierung und Schärfung von künstlerischen Ideen. Das Erkennen von Identitäten und Differenzen regt nicht nur den Diskurs an, es ermöglicht auch die Festigung von Ideen, Gedanken, Subkulturen und neuen Genres, deren Vermittlung, Rezeption und Wirkung.

Das Darstellen und Anzapfen von künstlerischen Netzwerken ging und geht einen Schritt weiter: das Festival als kommunikativer Knotenpunkt zwischen den einzelnen Netzwerken sieht seine Rolle aber auch in deren Verknüpfung miteinander. Dieser Ansatz wird besonders dann zentral für die Positionierung des donaufestival, wenn es um die kontextuierende Verwebung scheinbar isolierter Ideen oder verschiedener Genres und Medien geht. Der vermittelnde Ansatz bestand und besteht zu nicht unwesentlichen Teilen im intermedialen Ansatz des Festivals. Performance, neue Theaterformen, Medienkunst, visuelle und bildende Kunst, Klangkunst und Musik zwischen subkulturellen und avancierten popkulturellen Ansätzen sowie deren Misch- und Hybridformen sind die „Shoots”, die Triebe einer Vernetzung und Kontextualisierung künstlerischer Medien. So gesehen findet der kuratorische Ansatz des donaufestival eine gewisse Entsprechung in elektronischer Musik: ihre eklektische Art des Sammelns von Samples, Schnipseln bereits bestehender Gebilde und ihrer Hintergründe und Bedeutungsebenen, im Mischen zu etwas Neuem. Es verhält sich ähnlich wie bei den Pilzen: ihre subterralen Netzwerke, die Myzele, verflechten sich im Untergrund, das Festival, als Schaltstelle (Node) linkt sich in den Verflechtungsprozess ein und präsentiert einmal im Jahr die Früchte dieser Arbeit.

Tomas Zierhofer-Kin

Programm: http://www.donaufestival.at/festival/programm

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