Under Pressure

Donnerstag, 27. September 2018 - 19:00 Uhr

frei_raum Q21 exhibition space

Über Formen des Autoritären und die Macht der Entscheidung

Zur Eröffnung sprechen:
Christian Strasser Direktor, MuseumsQuartier Wien
Elisabeth Hajek Künstlerische Leiterin, frei_raum Q21 exhibition space / MQ
Ulla Krauss -Nussbaumer Gesandte, Sektion Kultur, BMEIA
Sabine Winkler Kuratorin

Künstler_innen:

Rod Dickinson (GBR)*, İnci Eviner (TUR), HARD-CORE (NLD, FRA, ISL)*, Minna Henriksson (FIN)*, Bernd Hopfengärtner* & Ludwig Zeller (GER), Vladan Joler (SHARE Lab)(SRB), Isabella Kohlhuber (AUT), Stéphanie Lagarde (FRA), Liz Magic Laser (USA), Daniela Ortiz (PER/ESP), Olivia Plender (GBR), Sebastian Schmieg (GER), Stefanie Schroeder (GER)*, Superflux (IND/GBR, GBR), Nick Thurston & Steven Zultanski (GBR, USA), Pinar Yoldas (TUR/USA)

*Q21 Artists-in-Residence

Ausgangspunkt für die Ausstellung sind jene in jüngster Zeit vermehrt auftretende autoritäre Tendenzen, die zunehmend in politischen und ökonomischen Bereichen sowie in Umgebungen der KI-Entwicklung auftauchen. Das Zustandekommen von Mehrheiten für autoritär agierende PolitikerInnen, ein offensichtlich autoritär agierender Finanzmarkt, sowie autoritäre Strukturen informationstechnischer Systeme und autoritäre Tendenzen in der KI-Entwicklung führen zu der Frage, ob neue Formen des Autoritären sich dadurch unterscheiden, dass sie individuelle Freiheiten erlauben oder zumindest diesen Eindruck vermitteln.

In der Ausstellung geht es um die Frage, welche Mechanismen, Strategien und Taktiken bei der Ein-schränkung von Entscheidungsfreiheiten zum Einsatz kommen, wie über Sicherheit/Schutz, Ökonomie/Finanz, Nation/kulturelle Identität oder die erklärte Notwendigkeit von Konkurrenz und Effizienz Kategorien für Entscheidungsprämissen definiert und festgelegt werden. Ausgehend von Dogmen des Neoliberalismus und des Neonationalismus beschäftigt sich die Ausstellung mit Autoritarismen in Politik, Ökonomie, Technologie und Kunst. So führte die vom Neoliberalismus betriebene Marginalisierung des Politischen sowie die Finanzkrise zu einem beschleunigten autoritären Kapitalismus. Der autoritäre Neonationalismus wiederum kann u. a. als eine Reaktion auf diese Entwicklung gesehen werden.

Kontrolle über zukünftige Entscheidungen und Handlungsweisen sowie Einflussnahme sind hingegen das Ziel von präemptiv agierenden, algorithmischen Systemen und Regierungsformen. So werden durch informationstechnische Antizipation und technische KI-Assistenten, wie Siri, Cortana oder Alexa Handlungsprogramme und „Bedürfnisse“ der NutzerInnen internalisiert und Entscheidungen vorweg- bzw. übernommen. Datenanalysen, Profilerstellungen etc. zielen u. a. darauf ab, unsere zukünftigen Ent-scheidungen nicht nur zu erraten, sondern zu informieren.

Vorerst aber treten effiziente Maschinen (Automatisierung) in Konkurrenz zu den Menschen, nicht nur was die Arbeit selbst, sondern auch was das Treffen von Entscheidungen betrifft. Was sind die Folgen wenn Entscheidungsmacht auf neuronale Netze übertragen wird? Laufen wir Gefahr, dass Handlungs- und Denkräume durch Überwachung, Big Data Rankings, Social Credit Systems etc. zunehmend kontrolliert und programmiert werden und wir uns auf dem Weg in Richtung digital strukturiertem Totalitarismus befinden? Ohne dass wir es merken, verschwinden Entscheidungs- und Verantwortungsräume in den sich auflösenden Handlungskontinuitäten von Realem und Virtuellem (Hyperreality).

Die Ausstellung untersucht Dispositionen der Entscheidung sowie Formen des Involviertseins und Mittäter-schaft in autoritären politischen und algorithmischen Systemen. Welche Entscheidungen werden von uns verlangt, wie werden Entscheidungen automatisiert, in welcher Form tragen wir selbst dazu bei, bewusst oder unbewusst, wie über uns von Seiten ökonomischer, algorithmischer und staatlicher Systeme entschieden wird bzw. in wie weit agieren wir selbst autoritär? Wenn Algorithmen mehr über uns wissen als wir selbst, können sie dann unseren jeweiligen Bedürfnissen angemessener weil rationaler entscheiden, und was bedeutet das für die Vorstellung des autonomen Selbst?

Könnte nun gerade die daraus folgende Marginalisierung des Subjekts (oder die Loslösung der Subjektivität von Subjekt, Person und Mensch) eine Möglichkeit bieten, Veränderungen herbeizuführen, autoritäre Tendenzen zu verhindern oder wäre zu befürchten, dass sich hegemoniale Systeme dadurch nur verlagern, automatisiert werden, aber nicht verschwinden? In der Kunst zeichnen sich durch die Infragestellung des KünstlerInnen-, KuratorInnen- und BetrachterInnen-Subjekts neue Dispositionen ab. Ob dadurch autoritäre Strukturen im Kunstsystem aufgehoben oder nur verlagert werden, bleibt spekulativ. Welche neuen Formen gemeinsamer Entscheidungsprozesse brauchen wir?

Termin

eSeLs Neugierde
Eröffnung, Gruppenausstellung, Autoritarismen
Donnerstag, 27.09. 19:00
bis Sonntag, 25.11.
frei_raum Q21 exhibition space
Museumsplatz 1
1070 Wien
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