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Ephemeropteræ #9: Guillermo Faivovich & Nicolás Goldberg
01.09.2017 19:00h
TBA21/Augarten
Ephemeropteræ #9: Guillermo Faivovich & Nicolás Goldberg
Fotocredits: Guillermo Faivovich und Nicolás Goldberg
 

“... Dann verzehrte Feuer das Land, und Flammen umgaben die Bäume, Pflanzen, Tiere und Menschen. Nur wenige der Mocoví sahen die Feuer kommen und sprangen in Flüsse und Teiche, wo sie in Wasserschweine und Krokodile verwandelt wurden. Zwei von ihnen, ein Mann und seine Frau, suchten Schutz in einem hohen Baum und sahen von dort aus zu, wie die Feuerströme sich über das Antlitz der Erde ergossen; doch unerwartet schoss das Feuer in die Höhe und verbrannte ihre Gesichter und verwandelte sie in Affen ... “

Der Jesuit und Missionar Guevara erzählt den Mythos der Mocoví vom Sturz der Sonne aus dem Himmel (1764)


Auf der Suche nach dem Mesón de Fierro

Der Mesón de Fierro, eine gewaltige Eisenansammlung in der Buschsavannenlandschaft des Gran Chaco in Südamerika, galt für tausende von Jahren als ein Wahrzeichen. Nomadenstämme nannten die wüstenartigen Landschaften “Piguem Nónaxa”, was jener spanische Eroberer, der Ende des 16. Jahrhunderts eintraf und die ersten handschriftlichen Berichte verfasste, als Campo del Cielo (Feld des Himmels), übersetzte. Im Jahr 1783 erreichte eine Gesandtschaft von 200 Mann den Ort, bestrebt herauszufinden, ob das Eisen Teil einer größeren Eisenader war. Sie führte eine Reihe von Detonationen und Ausgrabungen durch, die das Fundament der Masse so sehr aushöhlten, dass schließlich nicht mehr als eine künstliche Grube zurückblieb. Die Stätte wurde aufgegeben und der Mesón de Fierro nie wieder gesehen. Erst im frühen 20. Jahrhundert gelangte man zu der Erkenntnis, dass die Materie ein Meteorit gewesen war. Das Gebiet ist seit jener Zeit Forschungsgegenstand zahlloser faszinierter EntdeckerInnen, WissenschaftlerInnen und begeisterter Amateure, die mit unterschiedlichen Ergebnissen, jedoch ohne jegliche physische Beweise, versuchen, den Meteoriten wiederzufinden.

Faivovich & Goldberg werden im Rahmen von Ephemeropterae eine vertiefende Einsicht in Teilabschnitte und Diversa ihres über elf Jahre hinweg angelegten Archivs geben – eine Zusammenschau der weit verzweigten weltweiten Forschung rund um das Leben des Mesón de Fierro auf Erden,– und schließlich weitere Schritte ihres Projekts präsentieren.

Biography

Guillermo Faivovich (Buenos Aires, 1977) und Nicolás Goldberg (Paris, 1978) begannen ihre Zusammenarbeit in 2006 im Rahmen des umfangreichen Forschungsprojekts A Guide to Campo del Cielo, welches die kulturellen Auswirkungen der Meteroiten des Campo del Cielo untersucht. Ausgehend von dieser Fallstudie hat sie ihre Arbeit vom Kraterfeld selbst zu einem andauernden Programm weitreichender Feldforschungen geführt. Präsentiert wurde ihre Arbeit u.a. im Portikus, Frankfurt (2010), Fondazione Merz, Turin (2011), documenta 13, Kassel (2012), 9 Mercosul Biennial, Porto Alegre (2013), Museo Nacional de Bellas Artes, Buenos Aires (2014) und der 11 Gwangju Biennial (2016). In langfristiger Kollaboration mit der Arizona State University arbeiten sie seit 2014 an einer Reihe von Projekten und Austellungsexponaten die ab 2018 im ASU Art Museum gezeigt werden. Anlässlich der documenta 12 publizierten sie The Campo del Cielo Meteorites – Vol. 1: El Taco und The Campo del Cielo Meteorites – Vol. 2: Chaco, sowie La caza del Snark, das von Editorial Poligrafa (2014) herausgegeben wurde. Faivovich & Goldberg leben und arbeiten in Buenos Aires, Argentinien.