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Ephemeropteræ #4: Joan Jonas, Nicola Masciandaro
23.06.2017 19:00h
TBA21/Augarten
Ephemeropteræ #4: Joan Jonas, Nicola Masciandaro
Fotocredits: Photo courtesy of Joan Jonas
 
Joan Jonas’ eindringliche Lecture-Performance schöpft aus einem reichen Fundus an Materialien, aus Literatur und Mythologie sowie eigenen Zeichnungen und Notizen, in denen sie dem Meer als „poetischem und natürlichem Gebilde, als Totem“ nachspürt, „als Quelle des Lebens und Heimat eines Universums von Wesen“. Indem sie sich entlang der Projektionen bewegt oder ein langes Stück Papier vor den Körper hält, wird die ganz in Weiß gekleidete Künstlerin selbst zur Leinwand und Oberfläche. Jonas’ Praxis entwirft kreisförmige Bahnen, in denen ihre Arbeiten oftmals transitorische Zonen besetzen: Auch wenn sie ursprünglich als Video, Performance oder Installation entstanden, werden sie in andere Medien übersetzt und neu inszeniert. Indem sie über sich hinauswachsen und gleichzeitig auf sich zurückgeworfen werden, erlangen sie eine traumartige Qualität. Filmische Unterwasseraufnahmen – von Jean Painlevés Schwarzweißsequenzen bis hin zu Aufnahmen von Aquarien – werden dichterisch und assoziativ mit Passagen aus Herman Melvilles Moby Dick, Sy Montgomerys Soul of an Octopus und Italo Calvinos The Aquatic Uncle (dt. Der Onkel im Wasser) verwoben.

In „drØwn yØurself in this Øcean of lØve“ zitiert der amerikanische Autor und Philosoph Nicola Masciandaro die im 13. Jahrhundert wirkende Dichterin und Mystikerin Hadewijch: „Der Abgrund, in den sie mich schickt / Ist tiefer als das Meer.“ Auf poetische, assoziative Weise folgt er den Erläuterungen zum mystischen Meeresschlund, dem submarinen Prosimetrum dazu, von etwas verschluckt zu werden, was näher als der eigene Atem ist, der sinkenden Suche in den tiefsten Strudel der Verwunderung.