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Svenja Deininger
06.06.2017 19:00h
Galerie Martin Janda
Svenja Deininger
Fotocredits: Svenja Deininger Untitled, 2017
 
Eröffnung: Dienstag, 6. Juni 2017, 19 Uhr
Dauer der Ausstellung: 07.06.–22.07.2017
Öffnungszeiten: Di–Fr, 11–18 Uhr, Sa, 11–16 Uhr

Die Galerie Martin Janda zeigt von 7. Juni bis 22. Juli 2017 die dritte Einzelausstellung von Svenja Deininger.

Beim Betrachten von Svenja Deiningers Arbeiten machen sich zwei Eigenschaften unmittelbar bemerkbar: zum einen die Heterogenität der Elemente, aus denen sich ihre Werke zusammensetzen; die Vielfalt an Farben, Formen und Oberflächen lässt vermuten, dass ihr Interesse weder der bildlichen Auflösung noch Verdeutlichung gilt, sondern dem dynamischen Wechselspiel zwischen den visuellen Teilen, die zu unerwarteten Anordnungen führen; und zum anderen die klaren Linien, die jedes dieser visuellen Teile definieren. Die ihre Arbeiten konstituierenden Elemente nähern sich einander, kommunizieren miteinander und überlappen sich teilweise, wobei sie nie ineinander eindringen, sich miteinander vermischen oder ineinander auflösen.

Diese zwei Charakteristika legen nahe, dass Deiningers Arbeiten von Städten handeln. Ihre Sprachästhetik ist nur in einem urbanen Kontext zu erfassen. Eine große Vielfalt an Elementen, die in unmittelbarer Nähe zueinander leben, miteinander interagieren und überraschende Muster formen, jedoch davon abgehalten werden, ineinander einzudringen oder sich gegenseitig zu stören – die Definition einer Stadt. Deininger spricht von ihrem Widerwillen, ihre Arbeiten zu bestimmen. Die ersten Entscheidungen, wie etwa die Größe der Leinwand oder die erste Farbschicht, legen die Ausgangsbedingungen fest. Dann beginnen die Formen, Farben und Oberflächen zu wachsen, oft in unerwartete Richtungen. Deininger beobachtet dieses Wachstum und reagiert darauf; teils fördert sie es und teils nimmt sie eine Richtungsänderung vor. Ihre Methodik ist in ihrer Veranlagung dem urbanistischen Prinzip sehr ähnlich.

Es drängt sich der Vergleich mit einer Zeichnung auf, die Georges Perec für das Titelbild seines Romans „Das Leben Gebrauchsanweisung“ verwendet hat. Die Zeichnung zeigt den Querschnitt eines Wohnhauses, gekennzeichnet durch reges Treiben und eine große Bandbreite an Lebensentwürfen und gesellschaftlichem Stellung unter den unterschiedlich großen Wohnungen und den im selben Rechteck eingepferchten Bewohnern. Auch wenn diese in den Gängen oder im Stiegenhaus miteinander interagieren, sind ihre Wohnungen durch Wände abgegrenzt. Sie leben miteinander, jedoch klar getrennt voneinander. Perecs Darstellung eines Gebäudes kann insofern als Miniaturansicht von Paris angesehen werden, als dass sich die immense Komplexität der Stadt sogar in ihrer kleinsten Einheit, einem einzelnen Gebäude, wiederholt.

In ihrem Bestreben, ein funktionierendes Miteinander von heterogenen, bildlichen Elementen zu produzieren, die gleichzeitig miteinander interagieren und auf derselben Oberfläche voneinander getrennt bleiben, ist festzuhalten, dass Deiningers Arbeiten ähnlich motiviert sind wie jene von Perec, nämlich der Absicht, Urbanität einzufangen.
Die Energie ihrer Bilder ist die Energie einer Stadt. Sie schwankt von Arbeit zu Arbeit drastisch, um dieselbe Wechselspieldynamik abzubilden, die in einer einzelnen Arbeit im Ausstellungsraum zu sehen ist. Der Ausstellungsaufbau ist ebenfalls bezeichnend für Deiningers urbane Sensibilität, da der Raum – aufgrund der Arbeiten in unterschiedlichen Formaten und visuellen Intensitäten – die Vielschichtigkeit widerspiegelt, die von Architekturen unterschiedlicher Epochen, Stilrichtungen, Zweck und Größe im Stadtbild produziert wird. Eine Stadt, ob nun Wien, Paris, New York oder Tokio, ist amorph und entzieht sich jeglicher Definition; sie ist jedoch immer auch unmittelbar als die jeweilige Stadt erkennbar, da die jeweilige Anordnung und die zahllosen Koinzidenzen, aus denen eine Stadt gebildet ist, nicht wiederholbar sind. Deiningers Arbeiten entstammen derselben Spannung zwischen Bestimmtheit, Zufall, Kontrolle und Vielfalt.

Yuki Higashino

Svenja Deininger, 1974 in Wien (AT) geboren, lebt und arbeitet in Wien.
 
 
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Galerie Martin Janda
Eschenbachgasse 11
1010,Wien (AUT)
http://www.martinjanda.at