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Nicole Wittenberg, Ville Kylätasku
07.06.2017 19:00h
Galerie Lisa Kandlhofer
Nicole Wittenberg, Ville Kylätasku
 
Nicole Wittenberg "Will You Still Love Me Tomorrow"
07.06. - 15.07. 2017

Galerie Lisa Kandlhofer freut sich, Nicole Wittenbergs erste Einzelausstellung in Österreich zeigen zu dürfen.

Es muss einen Morgen danach geben
 
Es gab schon einige Morgen danach, an denen ein schöner Fremder, nachdem er er das Gemälde neben meinem Bett gesehen hatte, ausrief: „Oh! Es ist ein Schwanz!“ Normalweise frage ich, für was er es hält. „Letzte Nacht dachte ich, es wäre, du weißt schon, Energie.“ Und er lag mit beidem nicht falsch.
Das kleine Gemälde, eines von Nicole Wittenbergs Cocksuckers, erscheint als eine visuelle Turbine, gemalt in sattem Rot und kühlem Weiß, mit der besonderen Eigenschaft, dabei nie zu Pink zu werden. Die Künstlerin findet starke Bilder, die sie bearbeitet und verändert, und sie entdeckt innovative Wege, das Bild durch den Prozess des Malens neu zu erschaffen – sie variiert ihre Spuren, deren Texturen und Farben. Daher macht es auch Sinn sich ihre Bilder in einer größeren Gruppierung anzuschauen, denn nur dann wird die technische Originalität und die malerische Perfektion dessen, was einzeln zunächst wie das visuelle Äquivalent von etwas, das „ins Auge geht“ wirken mag, vollständig deutlich – obgleich etwas, das „ins Auge geht“, wohl selten so viel Freude macht wie hier.
Und um meinen One-Night-Stands gegenüber fair zu bleiben: Wittenbergs Bilder sind in einem Schlafzimmer etwas deplatziert, denn dieses Setting bringt die sorgfältig abgestimmte Balance zwischen vor Kraft strotzendem Bild und abstrakter Form durcheinander. „Schlafzimmerbilder“ machen es den Betrachtern für gewöhnlich etwas leichter. Die Malereien Wittenbergs wollen ihren Platz in großen, halb-öffentlichen Räumen behaupten, und es gelingt ihnen. Sogar die kleinformatigen Bilder sah ich eine Wand wesentlich deutlicher beherrschen als andere, weitaus großformatigere Werke.
Die neusten Arbeiten können grob in folgende Kategorien eingeteilt werden: Küssen, Schwanzlutschen und Muschilecken. Es sind Bilder von Handlungen, die Wittenberg mit dem Akt des Malens in eine Reihe stellt, den sie als ebenso ins Unendliche reichend ansieht wie die Prozesse der Begierde selbst. Sie ist eine der spielerischsten und stärksten Malerinnen, die ich kenne.

—Jarrett Earnest, Miami 2017


Nicole Wittenberg (*1979; San Francisco, US) lebt und arbeitet in New York.
Ihre Arbeiten wurden in folgende Sammlungen inkludiert: Albertina Museum, Vienna, Austria; Solomon R. Guggenheim Museum; the Museum of Fine Arts, Boston, MA; High Museum of Art, Atlanta, GA; Aishti Foundation, Beirut; Colby College Museum of Art, Waterville, ME; Bowdoin College Museum of Art, Brunswick, ME; Farnsworth Art Museum, Rockland, ME; Portland Museum of Art, Portland, ME.
2013 erhielt sie ihren BFA vom San Francisco Art Institute.



Project Room: VILLE KYLÄTASKU

07.06 - 15.07.2017

Galerie Lisa Kandlhofer freut sich, Ville Kylätaskus erste Einzelausstellung in Österreich zeigen zu dürfen.

Die Malereien von Ville Kylätasku sind verführerisch. Ihre Materialität ist anziehend, faszinierend und geheimnisvoll. Viele Bilder sind – ästhetisch wie buchstäblich – vielschichtig: leicht transparente Lagen aus weißem Kunststoff, oder neongelbes, fluoreszierendes Acrylglas, das die Bilder mit Licht zu rahmen scheint. Sie lassen Keilrahmen, Vogelfedern und Pinselstriche durchblicken, und Körperteile erkennen – Lippen, uneindeutige organische Formen – ein Gehirn? Oder doch eine Vagina? – Fußabdrücke, einen Teil einer Silhouette. Die Motive sind nicht auf den ersten Blick erkennbar, sondern leben von ihrer Uneindeutigkeit. Eine Blume inmitten einer geordneten Punktestruktur? Ein Fleck? Manchmal geben die Titel Hinweise: Decay/Verfall. Vanitas-Symbole bilden ein wiederkehrendes Thema. Ein Totenkopf, ein Blumenstillleben, weiße Federn, die an einen kleinen, nicht mehr lebendigen Vogelkörper erinnern.
Ville Kylätaskus Malereien sind vielfältig. Die Materialien und Formate befragen und erweitern das klassische Tafelbild auf spielerische wie humorvolle Art und Weise. Die Leinwand wird durch Kunststoff ersetzt, mehrere Bildträger werden zusammengefügt, Rahmen werden zu integralen Bestandteilen des Bildes. Es wird gesprüht, gewischt, getropft, gemalt, es verläuft. Der Künstler hat eine ganz eigene Formensprache, die mal komplex, mal minimal ausformuliert wird. Es lassen sich nicht nur philosophische, sondern auch kunsthistorische Bezüge finden: Das Malen in vielen Schichten bezieht sich auf die Renaissance, die Vanitas-Motive auf den Barock. Doch er hat diese Verweise in sein eigenes, sehr zeitgenössisches Vokabular überführt.
— Isabelle Meiffert

Ville Kylätasku (*1979; Tampere, Finnland) lebt und arbeitet in Berlin.
Seine Arbeiten befinden sich in folgenden Sammlungen: Modern Museum of Kuntsi, Swanljung collection, Finland; EMO Foundation, Finland; Miettinen Collection, Berlin / Helsinki; Peters-Messer Collection, Düsseldorf; Hermann Collection, Berlin; Matt Roberts Arts Collection, London; Fränti Collection, Helsinki.