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Ingeborg Strobl: Flora
01.06.2017 19:00h
Ingeborg Strobl: Flora
Fotocredits: Ingeborg Strobl
 
Begrüßung
Rudi Kaske, Präsident AK Wien

Zur Arbeit
Maren Lübbke-Tidow, Kuratorin AK Kunstbeirat

Als wir im vergangenen Jahr Ingeborg Strobl (1949 – 2017) dazu einluden, eine Arbeit für die Arbeiterkammer zu entwickeln, sagte diese unbestechliche, freigeistige und engagierte Künstlerin sofort zu. Das Programm der letzten Jahre hatte sie konstant verfolgt, und fast musste man den Eindruck gewinnen, dass sie sich bereits intensiv damit auseinandergesetzt hatte, was dieser öffentliche Bereich braucht und was sie ihm als Künstlerin hinzufügen kann. Ihr Projektentwurf kam unmittelbar. Für sie war klar, dass sie etwas tun wollte, was direkt verstehbar ist und die Menschen, die sich in diesen Räumen aufhalten, an etwas erinnert, was ihnen vertraut ist. Sie wollte dem Raum Wärme geben.
Ingeborg Strobl entschied sich, die Wände in Pastelltönen zu halten und mit Strukturen aus verschiedenen Musterwalzen zu überziehen. Sie greift damit die Wandgestaltungskultur profaner Wohnbauten auf, so wie sie sowohl im ländlichen als auch im städtischen Raum ab den 1920er Jahren bis in die 1970er Jahre hinein gängig war. Die solcherart geschaffene vertraut-wohnliche Atmosphäre bildete ihre Basis, um fotografische Bilder anzubringen, die das Werden und Vergehen thematisieren: den Lauf der Jahreszeiten. Ingeborg Strobl reichte es nicht, dabei gängige Vorstellungen von Naturaufnahmen zu bedienen. Sie wollte mit Gegensätzen arbeiten und einer elegisch-romantischen Vorstellung von Natur den größtmöglichen Kontrast entgegensetzen. So trifft in ihrer Auswahl das Wilde, Ungestüme und Unzähmbare der freien Natur auf die domestizierte Natur des städtischen Raumes, auf eine gestaltete und umgrenzte (Vor-)Gartenkultur. Obwohl sie aus einem umfangreichen Archiv schöpfen konnte, formieren sich Ingeborg Strobls Bilder nie zu einem großen Ganzen, wie es vielleicht einem klassischen dokumentarischen fotografischen Ansatz entspräche. Ihr Blick trifft vielmehr ins Alltägliche, ins Nebensächliche, ins Absurde, manchmal auch ins Komische und gerade deshalb ins so Normale. Es sind entspannte, kluge und witzige fotografische Studien, die ohne große Geste auskommen und sich doch mitteilen. Weil sie genau und stets von großer Empathie getragen sind. Ihre Bilder sind textlich sparsam von den einfachen Begriffen Frühling, Sommer, Herbst und Winter „gerahmt“ und in diejenigen Sprachen übersetzt, die von den in der Halle wartenden KundInnen der Arbeiterkammer am häufigsten gesprochen werden: neben Deutsch und dem universellen Englisch sind dies Bosnisch, Kroatisch, Serbisch, Türkisch, Kurdisch und Ungarisch. In ihrer ihr eigenen Autonomie und mit Überzeugung hat Ingeborg Strobl dieses Projekt überaus präzise und detailliert vorbereitet an ihre MitarbeiterInnen zur Umsetzung übergeben. Seine Realisierung konnte die Künstlerin nicht mehr erleben, nach kurzer schwerer Krankheit ist Ingeborg Strobl am 9. April 2017 verstorben. Maren Lübbke-Tidow
 
 
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Arbeiterkammer Wien, Prinz-Eugen-Strasse 20-22, 1040 Wien