I – in/finito

Donnerstag, 18. November 2021 - 18:00 Uhr

Franz Josefs Kai 3

Katinka Bock, Bernhard Cella, Jiří Valoch
Kuratiert von Fiona Liewehr in Zusammenarbeit mit Jana Písaříková
und Ondřej Chrobák

Die Ausstellung I – in/finito verbindet drei künstlerische Positionen aus verschiedenen Generationen und Ländern, die in ihren Werken über einen erweiterten Raumbegriff reflektieren. Denn Raumwahrnehmung beschränkt sich nicht auf rein euklidische, geometrische Aspekte, sondern konstituiert sich auch über Phänomene wie Zeit, historische Einschreibung, Handlung, soziale Teilhabe und Interaktion. Raum entsteht dort, wo wir Situationen entwickeln und wichtiger als das einzelne Objekt sind die Beziehungen der Objekte untereinander, deren Sinn sich im subjektiven Rezeptionsprozess stets unterschiedlich erschließt. Sprache wird dabei von allen KünstlerInnen nicht nur als Kommunikationsmittel, sondern als wesentliches raumbildendes Element verstanden, das in einem frei assoziativen Spiel ein Nachdenken über einen Raumbegriff befördert, der sich quer zur sichtbaren Realität entwickelt.

Die in Paris ansässige deutsche Bildhauerin Katinka Bock setzt sich in ihren Arbeiten mit Materialität und Prozessualität im Kontext von Geschichte und Architektur auseinander. Der tschechische Avantgardekünstler Jiří Valoch untersucht in seinen konkreten Poesien die Wechselwirkung von Sprache und Raum, die auch vor dem historischen Hintergrund der geopolitischen Teilung Europas in West und Ost gelesen werden kann. Der österreichische Konzeptkünstler Bernhard Cella interessiert sich für die institutionellen Rahmenbedingungen, unter denen Publikationen – an sich hoch informierte Objekte – als künstlerisches Material verwendet werden können.
Alle drei KünstlerInnen wurden gebeten, sich in direkter Auseinandersetzung mit den architektonischen Gegebenheiten und historischen Einschreibungen des Ausstellungsraumes Franz Josefs Kai 3 und in wechselseitigen Bezugnahme auf das zuvor unbekannte Gegenüber auf ein experimentelles Vexierspiel einzulassen. Dabei entstanden ein poetischer Dialog und gedankliche Verbindungslinien, durch die nicht nur Formen und Inhalte des jeweils individuellen Werks hervortreten, sondern auch eine überraschend gemeinsam gesprochene Sprache, die ein Nachdenken über existentielle Fragen des Ich im Verhältnis zur (Un)endlichkeit des ge- und erlebten Raumes evoziert: I – in/finito.


Katinka Bock (*1976 in Frankfurt am Main) entwickelte in den letzten 20 Jahren eine skulpturale Praxis, die eng mit Fragen von Raum, Zeit und Material verbunden ist und sich zugleich auf prozessualen Traditionen der Kunst der 1960er Jahre bezieht.
Die in den von ihr häufig verwendeten Materialien Ton, Holz, Stoff, Keramik oder Bronze eingeschriebene Geschichte ist ebenso Thema, wie deren mit der Zeit natürlicher oder durch den Einsatz von Elementen wie Wasser, Licht oder Feuer kalkulierter Veränderungsprozess. Zugleich greift sie Fragestellungen der Kontextkunst auf und erweitert diese zu skulpturalen Formen voller Sinnlichkeit.
Bock studierte an der Kunsthochschule in Berlin und an der Ecole Nationale des Beaux-Arts in Lyon. Sie hatte unter anderem Einzelausstellungen in der Kestnergesellschaft Hannover (2020), der Lafayette Anticipation, Paris, dem Centre Pompidou, Paris, (2019), dem Kunst Museum Winterthur, MUDAM Luxemburg, IAC, Villeurbanne/Rhône-Alpes (2018), der Henry Art Gallery in Seattle, USA, im MAMCO in Genf (2014), in Culturgest, Lisbon, Portugal (2012), im Kunstmuseum Stuttgart (2010). Katinka Bock lebt in Paris.

Bernhard Cella (*1969 in Salzburg) ist Künstler, Kurator und Verleger. In seinen Arbeiten setzt er sich wiederholt mit dem Thema des Publizierens und der Verhandlung von Kunst und Sprache im spezifischen Raum des Buches auseinander. Sein Langzeitprojekt „Salon für Kunstbuch“ – ein Unternehmen als Kunstwerk – ist beispielgebend für seine wissenschaftstheoretische und verlegerische Praxis, die performative Settings, Ausstellungen und Diskursformate verbindet und die Rahmenbedingungen untersucht, innerhalb derer Künstlerbücher konzipiert, produziert und distribuiert werden. Sein Archiv „Salon für Kunstbuch“ umfasst derzeit rund 30.000 Titel aus allen künstlerischen Disziplinen und ist in dieser Form einzigartig in Europa. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Erich Wonder und an der Hochschule für bildenden Künste in Hamburg bei Franz E. Walther. Seine Arbeiten waren zuletzt im Warehouse 421, Abu Dhabi, in der MMAG Foundation, Amman, im CIC Cairo (2020), im Beirut Art Center (2019), im Museum Santa Monica, Barcelona (2015), in der Casa Bosques, Guadalajara, der Kiesler Stiftung Wien im Hamburger Kunstverein (2014), im MAK, Wien (2013), Belvedere 21, Wien (2011).

Jiří Valoch (*1946, Brünn) ist Kunsthistoriker, Kurator, Künstler und Dichter. Von 1965 bis 1970 studierte Valoch tschechische und deutsche Literatur und Ästhetik an der Philosophischen Fakultät der Masaryk-Universität in Brünn. Ab 1963 entstehen konkrete aber auch nichtsemantische visuelle Poesien. 1967–1978 realisierte er fotografisch dokumentierte minimalistische Interventionen, Aktionen und Fototexte. Seit Mitte der 1960er Jahre ist er als Theoretiker und Kunstkritiker tätig, 1968 organisiert er eine der ersten Ausstellungen mit Computergrafik in Brno, seither entstehen Künstlerbücher mit nichtverbalen geschnittenen, optischen und rhythmischen Arbeiten. Von 1968-1972 war er Mitglied des Klub konkretistů. Von 1972-2001 arbeitete er als Kurator am Haus der Kunst in Brünn und bereitete Ausstellungen tschechischer Künstler (V. Boštík, Milan Knížák, Vladimír Boudník, J. Kolář, B. Kolářová, A. Šimotová, L. Novák) vor, nach 1990 auch internationaler Künstler (R. P. Lahnse, G. Graser, R. Mieldsam, R. Barry). Jiří Valoch lebt in Brünn.

Termin

eSeLs Neugierde
Eröffnung, Raumwahrnehmung, Katinka Bock, Bernhard Cella, Jiří Valoch
Donnerstag, 18.11. 18:00
bis Sonntag, 20.02.2022
Franz Josefs Kai 3
1010 Wien
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