Daniel Dewar & Grégory Gicquel / Yuji Agematsu

Donnerstag, 25. März 2021 - 14:00 Uhr

secession

Benjamin Baltus / Courtesy of the artists and CLEARING New York, Brussels, Jan Kaps, Cologne and Loevenbruck, Paris Benjamin Baltus / Courtesy of the artists and CLEARING New York, Brussels, Jan Kaps, Cologne and Loevenbruck, Paris
Daniel Dewar & Grégory Gicquel
26. März – 20. Juni 2021
Erster Ausstellungstag: Donnerstag, 25. März 2021

Das Werk des Künstlerduos Daniel Dewar und Grégory Gicquel scheint in einer Zeit zunehmender Digitalisierung auf den ersten Blick anachronistisch: Über die Jahre experimentierten die beiden mit einer Vielzahl von Materialien und Techniken, die sie zunächst autodidaktisch erlernten und für die sie teilweise auch die Arbeitsmittel wie Webrahmen oder holzbefeuerte Brennöfen herstellten. Sie hauen Stein, schnitzen Holz, formen Ton und Keramik und greifen auch handwerkliche Techniken wie Sticken und Weben auf. Dass sie ihre Werke selbst ausführen, unter Zuhilfenahme von traditionellen und modernen Werkzeugen, ist den beiden wichtig. Den Künstlern geht es dabei stets um Herstellungsverfahren, die ihren Ursprung in verschiedenen Handwerken haben, jedoch im Zuge der technischen Automatisierung immer weniger präsent sind. Den Bruch mit der Tradition stellen die beiden durch die Verbindung der Medien mit ihren Motiven dar: Massive Kästen und Schränke aus Eichenholz beispielsweise, aus denen Eingeweide, Tierteile oder menschliche Gliedmaßen hervorwachsen, amüsieren und irritieren gleichermaßen.

In ihren Werken verschmelzen Menschen, Tiere und Pflanzen zu einer bizarren und sinnlichen Einheit. Sie sind durchdrungen von der Idee, dass der gleiche Lebenssaft durch alle und alles fließt und sogar das gefällte, bearbeite Holz oder der behauene Marmorblock noch Zeugnis davon ablegen. Durch Kontextverschiebung und phantasievolle Kombinationen schaffen Dewar & Gicquel absurde Objekte, die wie Chimären oder Fabelwesen einer anderen Wirklichkeit angehören.

Daniel Dewar, geboren 1976 in Forest of Dean (GB), lebt und arbeitet in Brüssel.

Grégory Gicquel, geboren 1975 in Saint-Brieuc (FR), lebt und arbeitet in Plévenon (FR).


Yuji Agematsu
26. März – 20. Juni 2021
Erster Ausstellungstag: Donnerstag, 25. März 2021

Yuji Agematsu ist gewissermaßen ein Chronist unserer Zeit. Man kann ihn außerdem als experimentellen Kartografen bezeichnen und als Archivar, der nur scheinbar belanglose Fundstücke von den Straßen seines Wohnorts sammelt.

Der Stadtflaneur Agematsu unternimmt schon seit den frühen 1980er-Jahren, seitdem er von Japan nach New York übersiedelte, tägliche Spaziergänge durch die Straßen der Stadt. Bei dieser täglichen Routine, die bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert Teil seiner künstlerischen Praxis ist, sammelt und mustert er Weggeworfenes und Verlorenes, das seinen Blick auf sich zieht – Papierfetzen, Kaugummi, Teile von Plastiksackerln und Verpackungen, eine Feder, kurzum: sonst unbeachtet gebliebene Belege des städtischen Treibens.

Wird das Fundstück als sammelnswert erachtet, kommt es in eine für Zigarettenschachteln vorgesehene Zellophanhülle (der Künstler nennt diese Behältnisse „zips“); Datum, Uhrzeit und die genauen Orts­angaben des Funds werden in einem kleinen Notizheft verzeichnet. Im Atelier werden die Entdeckungen – achtlos weggeworfene Dinge – einem Prozess des Selektierens, Komponierens, Sicherns, Organisierens und des Katalogisierens unterzogen. Der Künstler wartet und bearbeitet die ausgewählten Fundstücke, ehe er die Mikro-Skulpturen, für jeden Tag eine, mit Harz fixiert. Dabei entsteht eine stets wachsende Sammlung an Readymade Miniatur-Stillleben, die nach Tag, Monat und Jahr strukturiert ist. Die Objekte werden datiert und auf Plexiglasregalen präsentiert oder – für besseren Schutz – in Plexiglasschachteln. Die bearbeiteten Funde eines ganzen Monats sind darin ordentlich in einer Reihe, dem Raster des jeweiligen Kalenderblatts folgend, angeordnet. Diese zugleich strenge und zurückhaltende Präsentationsform erlaubt es, alle Aufmerksamkeit auf die eigenwilligen Objekte zu lenken, die in erster Linie immer skulpturale Kompositionen aus urbanem Müll sind.

Die Secession freut sich, die skulpturalen Formationen, die Yuji Agematsu 2020 aus täglich gesammelten Fundstücken kreierte, im vollen Umfang zeigen zu können. Zu sehen ab Anfang 2021, werden seine zips 2020 einen frischen und gewiss einzigartigen Rückblick auf ein außergewöhnliches Jahr bieten.

Yuji Agematsu, 1956 in Kanagawa, Japan, geboren, lebt und arbeitet in New York.

Termin

hAmSteR Events
Skulptur, Objet trouvé
Donnerstag, 25.03. 14:00
bis Sonntag, 20.06.
secession
Friedrichstraße 12
1010 Wien
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