Creative Climate Care #2: Storno

Dienstag, 14. Juli 2020 - 18:00 Uhr

Universität für angewandte Kunst

Theresa Hattinger Theresa Hattinger
Pop-up-Ausstellung 2
Sophie Gogl. Storo

Eine Kooperation des MAK und der Universität für angewandte Kunst Wien

Mit Beginn der modernen Reisekultur sank die Nachfrage nach großen Überseekoffern. Für die Eisenbahn, das Auto und schließlich das Flugzeug waren kleinere Gepäckstücke gefragt, heute zählen Handgepäckformate und „Trolleys“ zu den Alltagsgegenständen. Mit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie wurde dem Reisen ein jähes Ende gesetzt, alle Auslandsreisen mussten storniert werden. Die praktischen Begleiter mutierten während des Shutdowns zum Relikt einer unbeschwerten Zeit, und mehr noch: Im Hinblick auf den Klimawandel können sie als Mahnmale für klimafeindliche Billigflüge gelesen werden.

Für ihre Ausstellung im MAK konzipiert die Künstlerin Sophie Gogl unter dem Titel Storno eine Gesamtinstallation, die an ein lange verlassenes Flughafenterminal erinnert. In diesem utopischen Setting inklusive fingiertem Metalldetektor und künstlichen Pflanzen finden sich die Koffer in unterschiedlichen Ausführungen: geöffnet oder verschlossen, bemalt und mit personalisierten Plaketten versehen, bewachsen von künstlichem Moos oder kleinformatigen Pilz-Skulpturen aus Ton. Sie dienen als Rahmen für Porträts von Persönlichkeiten aus der Popkultur und aus TV-Serien, deren Haltung zu Klimawandel und Gesellschaft von der Künstlerin kritisch betrachtet wird. Sie fungieren aber auch als Behältnis für Objektassemblagen und Skulpturen, die in einer Art „Mikroklima“ als Relikte und Momentaufnahme unserer Konsumgesellschaft „konserviert“ werden.

Auch die Tatsache, dass sich die Produktion von Reisegepäck von einer Handwerkskunst zu einer Billigproduktion, vielfach in Niedriglohnländern, gewandelt hat, spielt für die Künstlerin eine Rolle. Weder das Reisen noch die Produktion der Gepäckstücke sind heute eine nachhaltige und umweltbewusste Aktivität: Beides ist zum „Wegwerfprodukt“ und zum Faktor für die aktuelle Klimakrise geworden.

Mit Storno intendiert Sophie Gogl eine Hommage an eine temporäre Ära des Stillstands und des „Anti-Spektakels“ (vgl. Guy Debord, Die Gesellschaft des Spektakels, 1967), in der wir gezwungen sind, uns mit dem Gegenwärtigen zu beschäftigen. Die Ausstellungskulisse versteht sie nicht nur als Reflexionsort über die Klimasituation im Kontext der COVID-Krise, sondern auch als Täuschungsmanöver: Sind wir wirklich am Flughafen? Und wenn ja, wozu, wo es doch für Wochen als Luxus galt, sich am eigenen Lebensstandort frei bewegen zu können? Der Museumsbesuch wird zur Reise und zum neugewonnenen Spektakel.
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Sophie Gogl schloss 2017 das Diplomstudium Bildende Kunst: Malerei und Animationsfilm unter der Leitung von Prof. Judith Eisler ab. Die Künstlerin wird von der Wiener Galerie Zeller van Almsick vertreten.

Termin

eSeLs Neugierde
Eröffnung, Pop-up-Ausstellung, Klima, Umwelt, Design, Sophie Gogl
Dienstag, 14.07. 18:00
bis Sonntag, 23.08.
Universität für angewandte Kunst

Location:
MAK
Stubenring 5
1010 Wien
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