Wiedereröffnung Volkskundemuseum

Freitag, 15. Mai 2020 - 10:00 Uhr

Volkskundemuseum Wien

Die Küsten Österreichs © Julia Gaisbacher (Foto) / Christoph Höbart, dform (Bildbearbeitung) Die Küsten Österreichs © Julia Gaisbacher (Foto) / Christoph Höbart, dform (Bildbearbeitung)
Das Museum hat ab 15. Mai wieder geöffnet. Es gelten entsprechende Abstands- und Hygieneregelungen. Für den Museumsbesuch besteht bis 30. Juni freier Eintritt.

Die Küsten Österreichs
Die neue Schausammlung des Volkskundemuseum Wien
Mi, 19.09.2018 – So, 31.01.2044

Überarbeitete Dauerausstellungen sind in den ethnologischen Museen Europas zurzeit ein Muss. Im Museum in der Laudongasse hat eine Gruppe von externen Kurator*innen – alle im Asylverfahren – aber nicht nur ein Update der bestehenden Sammlung gemacht, sondern auch einen neuen Objektbestand eingearbeitet.
Die Ethnologie als Volkskunde (Europäische Ethnologie) ebenso wie als Völkerkunde (Sozial- und Kulturanthropologie) sind historisch stark verstrickt in die Herstellung und Verbreitung von Rassismen und völkischen Vorstellungen. Damit haben sie zu den politischen Katastrophen des 19. und 20. Jahrhunderts beigetragen. Ihre kritische Wende seit Mitte des 20. Jahrhunderts erscheint heute massiv gefährdet, angesichts der Renaissance von Neo-Nationalismus, Rechtspopulismus und Identitätspolitik. Was also tun mit Sammlungen, die von der wissenschaftlichen Intention, über die Gesten des Sammelns bis hin zum Eigensinn ihrer Dinge trunken sind von letztlich völkisch gedachter Identität? In der Schausammlung von 1994 hatte man sich für die Brandlöschung entschieden. Die umfangreiche Trachtensammlung wurde aussortiert und im Depot verräumt.

Angesichts der Verwerfungen der Gegenwart drängt sich die Frage auf, was in den Archiven der Zukunft von dieser zu lesen sein wird. Welchen Beitrag kann eine Ethnologie des 21. Jahrhunderts dazu leisten, die post-nationalen, geopolitischen Kämpfe, die an den Außengrenzen Österreich-Europas dieser Tage toben und die zum Teil mit den Grenzen der habsburgischen Sammlung des Volkskundemuseum ident sind, für die Zukunft zu dokumentieren? Wie können die für das 21. Jahrhundert so einflussreichen Grenzregimekämpfe, die heute zentraler Brennpunkt der kritischen Migrationsforschung sind, Eingang finden in die beschaulichen, historischen Archive der Volkskunde?

Das Volkskundemuseum Wien hat im Jahr 2017 begonnen, diesen Fragen Raum zu geben. Nicht ein weiteres „Weltmuseum“, das Mondialität behauptet, die eigene Sammlung und die eigenen Narrative aber scharf bewacht, dient als Arbeitshypothese. Vielmehr ist es ein „Museum der Weltlosen“, das als Vision für eine vielfältige Beschäftigung im Bereich von Sammeln, Bewahren und Zeigen dient.

Ephemere Fluchtobjekte, die entlang der Routen des „Langen Sommer der Migration 2015“ eingesammelt wurden, bilden den Grundstock des neuen Sammlungsbestandes „Museum der Weltlosen“. Erstmals haben einige von ihnen im Rahmen der WIENWOCHE 2018 nun Eingang in die Schausammlung des Hauses gefunden. Dort setzen sie sich, durchaus eigensinnig, in ein Verhältnis zu den gezeigten Exponaten.

Als relevante Artefakte der österreichischen Volkskunde gelten neben Kleiderschränken aus Tiroler Bauernhäusern nun auch gepackte Reisetaschen, die bei der Mittelmeerüberfahrt zurückgelassen werden mussten. Die neuen Objekte legen Zeugnis dafür ab, wie Europa und Österreich zu Beginn des 21. Jahrhunderts funktionieren. Vielleicht bringen ja gerade diese Sammlungsstücke – gefunden an den Küsten Europas – den Museen ihre ersehnte europäische Identität ein. Denn dort, wo Regierungen und Grenzschutz die Schotten dicht machen wollen, hat Europa so klare Konturen wie nirgendwo sonst.


Kurator*innen-Kollektiv
Yarden Daher, Alexander Martos, Negin Rezaie, Ramin Siawash, Niko Wahl, Sama Yasseen, Reza Zobeidi

Termin

hAmSteR Events
Schausammlung, Flucht, Migration
Freitag, 15.05. 10:00
bis Dienstag, 31.01.2023
Volkskundemuseum Wien
Laudongasse 15-19
1080 Wien
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