Boden für Alle

Mittwoch, 18. November 2020 - 19:00 Uhr

Architekturzentrum Wien

Verbaute Erde - Parkflächen statt Ackerland © ÖHV Verbaute Erde - Parkflächen statt Ackerland © ÖHV
„Der erste, der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein und Leute fand, die einfältig genug waren, ihm zu glauben, war der wahre Begründer der bürgerlichen Gesellschaft. Wie viele Verbrechen, Kriege, Morde, wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen oder den Graben zugeschüttet und seinen Mitmenschen zugerufen hätte: ‚Hütet euch, auf diesen Betrüger zu hören; ihr seid verloren, wenn ihr vergeßt, daß die Früchte allen gehören und die Erde niemandem'.“ Jean-Jacques Rousseau, Diskurs über die Ungleichheit, 1755

Der Boden ist unser kostbarstes Gut. Die Oberfläche der Erde ist endlich. Ein sorgloser oder rein kapitalgetriebener Umgang mit dieser Ressource hat in den vergangenen Jahrzehnten Gestalt und Funktion unserer Städte und Dörfer verändert. Die fortschreitende Versiegelung von Boden trägt zur Klimakrise bei, während Spekulation und Hortung von Grundstücken das Wohnen verteuern, den öffentlichen Raum bedrohen und eine vernünftige Verkehrspolitik erschweren. Die Verdrängung städtischer Produktionsbetriebe verstärkt die Monofunktionalität und gefährdet Arbeitsplätze. Außerhalb der großen Zentren resultieren schwache beziehungsweise nicht angewandte Raumordnungsgesetze in einer Landschaft mit Einkaufszentren, Chaletdörfern und einem breiten Teppich an Einfamilienhäusern, während die Ortskerne veröden, das Verkehrsaufkommen explodiert und verlorene Ackerflächen die Ernährungssicherheit gefährden. Politik und Verwaltung sind dringend zum Handeln aufgerufen, um einen Ausgleich zwischen Individualinteressen und Gemeinwohl zu erreichen.

Der Schlüssel zu einem umwelt- und ressourcenschonenden Umgang mit unserer Erde liegt so nah und bleibt doch im Alltag abstrakt. Die Nutzung von Grund und Boden wird von einer Vielzahl von politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Faktoren bestimmt. Mit der Ausstellung „Boden für Alle“ bringt das Architekturzentrum Wien Licht in das Dickicht von Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten. Dazu gehören Kompetenzverteilung, Raumordnungsgesetze, Finanzausgleich, Stadtentwicklungskonzepte, Flächenwidmung, aber auch Zinspolitik oder Vermögungsverteilung sowie Verflechtungen lokaler Partikularinteressen. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf Anschaulichkeit, Erfahrbarkeit und der Einsicht, dass uns das Thema alle angeht.

Termin

Ameisen Urbanismus
Umwelt, Boden, Architektur
Mittwoch, 18.11. 19:00
bis Montag, 05.04.2021
Architekturzentrum Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien
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