Kalter Krieg und Architektur

Mittwoch, 16. Oktober 2019 - 19:00 Uhr

Architekturzentrum Wien

Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945

Die Ausstellung kontextualisiert erstmals das Baugeschehen und dessen Akteure in Wien nach dem 2. Weltkrieg im Diskurs des Kalten Krieges. Im Gegensatz zu Berlin wird Wien nicht als Schauplatz einer politisierten Architekturdebatte zur Zeit des Kalten Krieges wahrgenommen.

Nach der Befreiung durch die Alliierten etablierte jede der vier Besatzungsmächte ein viel-fältiges Kulturprogramm. Architekturausstellungen wurden von Großbritannien, Frank-reich, Amerika und der Sowjetunion als Bühne für kulturelle, ideologische, ökonomischeund technologische Transferleistungen genutzt. Die ausgestellte Architektur und die be-gleitenden Diskurse wurden zu Instrumenten eines „Erziehungsprogramms“ für eine neueWelt-und Gesellschaftsordnung, in der sich der globale Wettstreit des Kalten Krieges wi-derspiegelt. Wenig bekannt bis unbekannt ist deren Auswirkung auf die österreichischeArchitekturszene. Während dieser Zeit konstituierten sich die intellektuellen Eliten undder Beamtenapparat. Parallel dazu begab sich die freie Architektenschaft auf die Suche nach Leitmodellen für eine neue urbane Identität.

In der Zusammenschau der kulturellen Offensiven aller vier Besatzungsmächte zeigten sich unterschiedliche Herangehensweisen. Neben den jeweils spezifischen politischen Ei-geninteressen der Alliierten richten sich deren kulturelle Lenkungsmaßnahmen an unter-schiedliche Zielgruppen. Dabei stoßen diese auf lokale Traditionen, heterogeneInteressengruppen und Netzwerke, welche den Kulturtransfer und das Konfliktpotenzialdes Kalten Krieges für ihr eigenes professionelles Weiterkommen nutzen.

Das Ziel der Ausstellung ist es, das nationalgeschichtliche architekturhistorische Narrativmit globalgeschichtlichen Fragestellungen zu ergänzen und eine Neuvermessung derNachkriegsarchitektur einzuleiten. Die Untersuchung basiert daher nicht ausschließlichauf einer architekturhistorischen Analyse, sondern folgt methodisch dem interdisziplinä-ren Ansatz der Cultural Studies und beinhaltet Aspekte der Diskurs-, Wirtschafts-, Sozial-,Institutions-und Politikgeschichte. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Einbeziehung vonbisher nicht erschlossenen Primär-und Sekundärquellen. An erster Stelle sind hier dieVor-und Nachlässe der Architekt*innen aus der Sammlung des Az W zu nennen, in denensich neben den Planbeständen eine Vielzahl von schriftlichen Dokumenten erhalten hat,die sich in der Zusammenschau zu einem Sittenbild der Nachkriegsmoderne verfestigen.

Kuratorin: Monika Platzer

Termin

Ameisen Urbanismus
Kalter Krieg, Architektur
Mittwoch, 16.10. 19:00
bis Montag, 24.02.2020
Architekturzentrum Wien
Museumsplatz 1
1070 Wien
Merken
Links
Schließen
Zum eSeL Twitter Kanal


Mehr Informationen finden Sie in unserer Daten­schutz­erklärung
Schließen
Zur eSeL Facebook Page


Mehr Informationen finden Sie in unserer Daten­schutz­erklärung
Die Webanalyse durch Google Analytics wurde deaktiviert.