Eigene Bahnen ziehen

eSeL Foto: Atelierbesuch Jakob Gasteiger (Albertina, 22.04.-22.08.2021)

eSeL Foto: Atelierbesuch Jakob Gasteiger (Albertina, 22.04.-22.08.2021)

...war grad lang bei Jakob Gasteiger (wg. Albertina-Ausstellung). Konnte viel über Entwicklung der Kunstszene in den letzten Jahrzehnte erfahren – und auch, wie er dem gegenüber sein Werk anlegt. Guter Typ, wusste nicht wie konsequent der für sich forscht. Ich find der Titel „radikale Malerei“ (terminus technicus?) trifft’s nicht so, ist eher „analytisch“ unterwegs. Gasteiger erinnert den eSeL – wenn auch Generationen dazwischen liegen – eher an tüftelnde Computer-Kumpels, die, wenn alle Parameter bestimmt sind, zwar gespannt sind, was rauskommt, aber sich dann gleich wieder ans Ertüfteln neuer Vorgaben machen. Bei Gasteiger sind die Regler und deren Werte geschnittene Kartonkämme, mit denen er seit jeher zentimeterdick Farbe gerillt über die Leinwände streicht. Dazwischen gibts Abdrücke und Güsse.

Das Werk beginnt immer zuerst am Boden und wird dann erst für die Wand gekippt. Derzeit sind’s supergrelle Acrylfarben aus dem Kunstsupermarkt („Die trocknen schnell“), die für die Albertina-Ausstellung nebst einigen älteren gewählt wurden. Eh auch Öl („trocknet jahrelang nicht“), das er zB mit Glassand vermischt oder mit dem er sonstwie experimentiert – natürlich auch mit Farbkontrasten. Bis zu Neonrosa auf Rosa. >;e)

Scheinbar produziert er schon in Serien (mehrere Leinwände gleicher Grösse), aber nicht x-mal die gleiche Farben als Massenproduktion (was eSeL schon vermutet hätte), sondern dann pro Farbkombo nur ein Bild, bis „es mich nicht mehr interessiert“ (seine Sprache). Die Kammpinsel müssen übrigens fast alle immer am Rand wieder rausgehen. Beim Überschneiden dürft’ er schon eine gewisse Perfektion entwickelt haben, über die Jahrzehnte >;e)

Mir hat er mehr von der Entwicklung der letzten Jahrzehnte Kunst(szene) in Wien erzählt, von Phantastischen Realisten und Otto Mauer ausgehend über die Wirkung der Galeristen Insam und Pakesch, und Kippenberger, Beuys und sonstige Legenden – und wie er als rein Abstraker, der konsequent Farbe auf Leinwände kämmt, unter den „figurativen“ Neuen Wilden kaum Platz (oder Käufer:innen) fand. Scheinbar hat er bei allem Gegenständlichen nie mitkönnen und -wollen. („Probiert hab’ ich’s schon, aber war nix für mich“). Erst mit „Neo Geo“ dank Galerie nächst St. Stephan – schon unter Rosemarie Schwarzwälder – hat er „zu funktionieren begonnen“ (meine Sprache, nicht seine). Nur wenn er von „Malerei als Skulptur“ redet (noch ok), aber dann auch als „Architektur“ (na ja), kann ich nicht mehr mit, aber der eSeL kann sich auch so an purer sinnlicher Farbe in 3D erfreuen.

Auch über Änderung von Werken über’m Sofa (inklusive Veränderung der zugehörigen Sofas – von Biedermeier bis Vintage) haben wir gesprochen. Dass er auf so vielen Ständen diverser Kunst-und-Antiquitäten-Messen aufscheint, dürfte eher an den Wiederverkäufer:innen liegen. „Manchmal erben zB Kinder etwas von mir – und das gefällt ihnen vielleicht nicht“. In Wien hat er keine primäre Galerie mehr, im Sekundärhandel dafür einen Fixplatz im 4-5 stelligen Bereich. Jetzt hat er auch eine Albertina-Ausstellung in Wien.

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