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eSeL Foto: Return to Vienna: The Paintings of Tess Jaray (Secession, 18.2.-18.4.2021)

eSeL Foto: Return to Vienna: The Paintings of Tess Jaray (Secession, 18.2.-18.4.2021)

Es schmerzt, dass manche Ausstellungen, die ewig auf der „Wanna See“-Liste dahinvegetierten, „dank“ Lockdown unbesichtigt wieder verschwinden konnten. Dem eSeL glückte es immerhin, zum „Condition Report“ in die Ausstellung von Tess Jaray in der Secession zu gelangen, bevor diese abgebaut wurde.

Die in Wien geborene und als Kind von den Nazis vertriebene Tess Jaray gilt als Geheimtipp unter Kenner:innen. Neugierige Spontanbesuchsversuche eselseits führten während Lockdown-Lockerung oftmals ins Leere - beziehungsweise vor versperrte Türen. Während eine Restauratorin den Zustand der Werke knapp vor Ausstellungs-Abbau akribisch zu sichten hatte, konnte eSeL erstmals allein in der Haupthalle der Secession herumflanieren.

Ganz allein eigene Blickachsen und Zusammenhänge zu entdecken, passt zu einer auf Leinwand und im Raum Kompositionswütigen ganz hervorragend. Es entlockt dem Abstrakten seine Reize in Reinform, weil sich unvermeidlich Muster in der Wahrnehmung aufdrängen.

Das Feine ist, dass hier tatsächlich die wenigen Elemente in jedem Bild raffiniert zueinander in Beziehung stehen. Man sieht z.B. Schnittmengen unsichtbarer Kreise auf kreisförmigen Bildrahmen, die dann wieder in Beziehungen zu ihren Nachbarbildern gehängt wurden. Justament gegenüber des zentralen Eingangs wurde so clever arrangiert, dass die neue Balance sich sogar der Mittelachse des Raumes verweigern konnte.

Sowas hat schon Witz – zumindest für Kompositionsfanatiker wie eSeL und seine Kamera. Wenn man da mal reingekippt ist, wird umgehend jede Fuge im Boden der Secession wiederum zum nächsten Kompositionselement der Gesamtausstellung.

Von der Restauratorin nebenan, die mit Lupe und Taschenlampe den Zustand der Werke vor deren Weiterreise vergleichen und protokollieren muss, erfährt der eSeL, wie Farbe auf Leinwände geraten kann, und welche Raster die wenigen Elemente auf den jüngeren Bildern andeuten und dann wieder verweigern. Und auch, worüber die Versicherung informiert gehört, bevor die Bilder vom schönsten White Cube Wiens wieder in die Transportboxen wandern.

Beim Verabschieden erfährt der eSeL von der Kuratorin, dass die Künstlerin die Ausstellung erstmals am letzten Tag, „in real life last minute“ angereist, sehen konnte – und die gesamte Komposition der akribisch gehängten Schau über Videokonferenzen aus London koordiniert und mehrfach umgehängt werden musste. Bitte dafür den goldenen Zoom-Konferenzen-Award an alle Beteiligten.

Ein Portrait der 84-jährigen Künstlerin zu schießen hat der eSeL dann verpasst, was mich bis heute wurmt – auch weil ich gern gewusst hätte, wie sie selbst in dem Setting wirkt. Aber vielleicht ist das nur ausgleichende Gerechtigkeit gegenüber all jenen, die gar nicht mehr rein durften. Es bleibt immerhin ein virtueller Eindruck der Künstlerin: das Online-Ausstellungsgespräch.

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