Innenraum trotz Innenstadt

eSeL Foto: Billi Thanner – Himmelsleiter (Stephansdom, bis 31.5.2021)

eSeL Foto: Billi Thanner – Himmelsleiter (Stephansdom, bis 31.5.2021)

Der Audiowalk durch’s eigene Stadtviertel, den Sööt/Zeyringer via brut-Theater als performativen Stadtrundgang im Lockdown anbieten, dient als Gegenprogramm zu mentalen Irrwegen künstlerischen Leistungsdrucks und entspannende Reise in die Innenwelt. Und hilft dem eSeL, trotz klirrender Kälte in der Innenstadt, wieder zu lächeln.

Immerhin: in der Inbox harrt ein Mail der brut-Pressestelle – dankenswerter Weise mit dem erbetenen Preview-Link zum Audiowalk von Sööt/Zeyringer, der Stadtteilerkundungen als DIY-Performanceprogramm im Lockdown verheißt.

Raus in die Stadt, Kopfhörer auf. Beschluss gefasst, den gleichen Weg diesmal zu Fuß zu beschreiten. Und siehe da, besagte Himmelsleiter verpasst der Gewohnheit gleich einen gehörigen Leuchtstrich durch’s nächtliche Stadtpanorama.

Die Performerinnen haben links und rechts in den Ohren Platz genommen und schreiten in Gedanken neben mir. Manchmal muss der eSeL vorauseilen, dann holen sie ganz entspannt wieder auf. Auch wenn sie beide kleiner sind, wie der eSeL erfährt, sind sie größer als ich, wenn sie einander auf den Schultern sitzen. Entzückend, ebenso wie die Entdeckung von Bruder Baum, von dem es unter anderem gilt, die „Joy of Missing Out“ zu erlernen. So ein Baum hat eben ein anderes Tempo als Künstler:innennachwuchs – auch wenn der vom eSeL erwählte eine frisch gepflanzte Kastanie ist, der sich zugleich als Verjüngung und Verlängerung der Baumallee entlang der Hofburg entpuppt.

Doch Sööt/Zeyringer interessieren sich weniger für neue Perspektiven auf den Stadtraum. Den eingeübten Optimierungsdrang des eSeL bekämpfen die Künstlerinnen derweil aktiv im Ohr. Erlauscht man anfangs in der Stille noch die nächtlichen Vögel, verwandeln die beiden mit Erzählungen, Anekdoten und gezielten Handlungsanweisungen die Stadt in eine Bühne für Neuentdeckung übersehenen Geschehens (da direkt vor der Nase). Ab dem Moment, da eSeL vergessen hat, dass der Audioguide überhaupt noch an war, ist das Kunststück geglückt. Er geht dann eh noch weiter und die beiden mit ihm, aber davon braucht man ja nix verraten (Spoiler Alert). Und plötzlich freut sich der eSeL wieder auf die Künstler:innenvideos im Internet, aber das gilt – dank Sööt/Zeyringer – wieder genussvoll als freiwillige Freizeit, und nimma als Arbeit. Über die Stolperfallen von derlei Selbstaustricksung red ma lieber ein andermal.

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