Innenstadtherzen sind kalt

eSeL Foto: Erwin Wurm - Big Mutter (Stephansdom, bis 6.6.2021)

eSeL Foto: Erwin Wurm - Big Mutter (Stephansdom, bis 6.6.2021)

Das verlängerte Osterwochenende ging nahtlos in den Lockdown über und eSeL sitzt erstmals knapp vorm Newsletter ohne jegliche Kunstbeobachtungen da. Also ab in den öffentlichen Raum, konkret in die Wiener Innenstadt, dort harren „Himmelsleiter“ und „Steiermark-Schau“.

Grausiges Eiswetter statt Homeofficenixgehtweiter. Und siehe da, die Himmelsleiter am Stephansdom ist erfreulicher anzusehen als gedacht Erwin Wurms Riesenwärmeflasche mit Sportschuh-Füssen residiert daneben erneut ebenerdig am Stephansplatz - diesmal in Orange. Der Sockel der Skulptur erfreut immerhin die Tauben – als Futterplatz.

Im Dom gibt’s außer dem besonders geschlossenen Gitter nix Neues zu entdecken, und beim Nachlesen ärgert sich der eSeL, weil die Leiter von Künstlerin Billie Thanner sehr wohl in den (gesperrten) Innenraum verlängert sein dürfte. Mangels Zutritt gibt’s kein Beweisfoto (und sowieso kein Raumgefühl vom Dom). Die Gläubigen werden elektronisch gezählt, ihre Anwesenheitserlaubnis beschränkt sich auf den schmalen Vorraum. Immerhin dürfen sich die Aerosole großzügig unterm Kreuzrippengewölbe ausbreiten.

Also zum Steiermark-Pavillon weiter geradelt, der sich in PR-Texten auch „als weithin sichtbare Lichtinstallation“ bejubeln lässt – nun aber hermetisch verschlossen ist (und verglichen mit den Renderings schmerzhaft fad wirkt). Immerhin ergänzt er die parlamentarische Heldenplatz-Verhüttelung zum dreibeinigen Quadrat. Ab und zu entfleucht eine Mitarbeiterin zum Rauchen nach draussen. Ein Porsche mit Grazer Kennzeichen parkt völlig sinnlos mitten auf der Wiese, statt auf dem großzügigen Parkplatz am Heldenplatz gleich daneben. Wenig sympathisch. Zuletzt blieb dem eSeL die steirische Kulturpolitk leider durch den Grazer Kulturstadtrat im Gedächtnis, der seinen Künstler:innen wegen einer Kunstaktion über Cannabis beinhart in den Rücken gefallen war. Die Charmeoffensive im Osten ist jetzt dem Ostern-Lockdown zum Opfer gefallen.

Die im Pavilloninneren sinnlichst auf Panoramawänden inszenierten Heimatforschungsvideos mussten lockdownbedingt – erraten! – ins Internet verlegt werden. Die Namensliste der beauftragten Künstler:innen klingt vielversprechendst, anhand Animationen ihrer Panoramaprojektionen lässt sich deren Raumwirkung auf 12 Zoll daheim leider nur erahnen. Erneuter Seufzer.

Auch der Arbeitsalltag im MQ ist diesmal dröge, eh wichtige Besprechungen und Adminzeugs, und so endet der (vielleicht einzige) potentiell produktive Arbeitstag zutiefst unbefriedigend, weil nix wirklich weiter gegangen ist und kaum was zu sehen war.

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