Nicht zu vergessen im Künstlerhaus

eSeL Foto: Vergessen / Zapomnění (Künstlerhaus Factory, 10.2. - 9.3.2021)

eSeL Foto: Vergessen / Zapomnění (Künstlerhaus Factory, 10.2. - 9.3.2021)

Das Künstlerhaus bespielt mit kuratierten Ausstellungen ja die Hauptflächen des Obergeschosses. Derzeit versammelt dort „Big Name“ Felicitas Thun Hohenstein eine beeindruckende Palette relevanter österreichischer Künstlerinnen in ihrer mid-career Hochblüte und verlockt mit Anna Artakers klug-kritischer Stiegenhausgestaltung auch Besucher:innen der Albertina Modern zu einem Blick nach oben. Analog nutzt die kleinere „Factory“ des Künstlerhauses die Aufmerksamkeit der „grösseren Schauen“ für kürzere Ausstellungen oder Kooperationen, die von Künstlerhaus-Mitgliedern konzipiert werden.

Die unermüdlichen Networking-Skills von Ina Loitzl führten inzwischen sogar zur Verlängerung ihrer „Waste Art“-Ausstellung (die zuletzt in der Factory veranstaltet wurde), und nun im Außenraum, dem Kunst-Schaufenster bei der U1/U4-Stationskreuzung weiterwirkt und -wirbt. Stiller, justament unter dem Titel „Vergessen/Erinnern“, hat Künstlerhaus-Mitglied Lena Knilli mit Grundideen ihrer Arbeit den Faden der lyrischen Aneignung von Gehirnfunktionsmessungen über die Werke anderer Künstler:innen zu einer sinnlichen Ausstellung weiter gesponnen.

Der eSeL tut sich ja bisserl schwer, wenn Gedenkarbeit mit allzu viel ungebrochener Sinnlichkeit eingemahnt wird, wie die Namen einsam Verstorbener in der Installation von Sybille Löw, die den Raum zudem visuell dominiert. Ich hatte dafür wiederum einen persönlichen Faible für die in Bilderrahmen geknüllten Landkarten von Jana Kasalova, auch weil das Smartphone-Zeitalter physisches Kartenlesen schmerzlich vermissen lässt und die physischen Karten Sichtbarkeit für Wandel und Auslöschung von Ortsnamen und Identitäten aufbewahrt. Die europaweite Kooperation der Künstlerinnen in der Ausstellung trägt ihren Teil dazu bei, geographische Landesgrenzen zu relativieren.

Berührend ist die Zeichenflut des Projektes von Katerina Seda, die gemeinsam mit ihrer Großmutter den Lagerbestand derer Eisenwarenhandlung zu Papier brachte.

Schön, wenn Kunstschaffen nicht nur den Zweck der Erstellung von Werken dient, sondern mehrfach für Kommunikation wirksam wird, deren Gedankenfäden sich zugleich als Linie in berührenden Zeichnungen manifestieren.

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