Sainer

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In Kooperation mit der Botschaft der Republik Polen
Im Rahmen des polnischen EU-Ratsvorsitzes
Kuratiert von Agata Abramowicz
„[D]as neue Sehen der Farbe hängt mit der Vielansichtigkeit der Natur zusammen, das heißt mit einer anderen Art von Perspektive als der dreidimensionalen, mit einer Perspektive, in der die Zeit als neue Komponente dazukommt und die die Schichtung der Blicke – einer über dem anderen – bedingt, das heißt der Raum-Zeit-Perspektive, das heißt der vierdimensionalen Perspektive.“ – Władysław Strzemiński, “Theory of Seeing”, Łódź: Muzeum Sztuki in Łodź 2025
Przemysław Blejzyk alias Sainer überwindet die traditionellen Vorstellungen von Komposition und Raum und versteht seine Werke als Fragmente eines größeren Ganzen, in dem die Betrachter*innen zum Mittelpunkt werden. Inmitten eines Kaleidoskops von Formen und Farben suchen sie sich einen Weg durch die Ausstellung und lassen sich dabei von den verschiedenen Farbtönen leiten, die als wichtigstes erzählendes und verbindendes Element fungieren. Die Farben erzeugen dynamische kompositorische Schleifen, die den Blick von Werk zu Werk lenken; ihre Beziehungen bilden ein komplexes Netz visueller Verbindungen, die das Wesen eines solchen „Kolorganism“ ausmachen. Die Ausstellung ist ein einzigartiger Versuch, die Kunst als einen lebenden, pulsierenden Organismus zu zeigen. In diesem künstlerischen Ökosystem existiert kein Bild für sich allein. Stattdessen steht jedes Bild mit den anderen in Wechselwirkung und ergibt mit ihnen ein komplexes und harmonisches Ganzes.
Blejzyk bietet eine zeitgenössische Interpretation des grundlegenden Konzepts des Sehens und Wahrnehmens, wie es von Władysław Strzemiński und Wassily Kandinsky entwickelt wurde. Aufbauend auf ihren theoretischen Überlegungen und ihrer künstlerischen Praxis erkundet er Farbe und Form als eigenständige Ausdrucksmittel und untersucht die Beziehung, die zwischen Kunst und ihrer Wahrnehmung durch die Betrachter*innen entsteht.
Kandinsky führte die Idee der Kunst als einer Sprache des reinen Ausdrucks ein, in der Form, Linie, Punkt und Farbe als unabhängige Einheiten funktionieren und eine abstrakte Harmonie schaffen können. Durch seine Auseinandersetzung mit den formalen Aspekten der Malerei erweitert Blejzyk dieses Konzept. In seinen Arbeiten pulsieren die Farben, sie vermischen und verstärken sich und erzeugen dynamische, vielschichtige visuelle Strukturen.
In seiner Studie über die historische Entwicklung des Sehens stellte Strzemiński fest, dass sich Wahrnehmung im Zusammenspiel mit Kultur, technischem Fortschritt und Wertewandel verändert. Blejzyk setzt seinen Gedankengang fort und analysiert die zeitgenössische visuelle Erfahrung in einer von Bildschirmen, digitalen Medien und einer Bilderflut gesättigten Welt. Er sucht nach einer künstlerischen Sprache, die auf diese neue Realität nicht nur reagiert, sondern sich auch aktiv mit ihr auseinandersetzt und das Verhältnis zwischen traditionellen Malmaterialien und zeitgenössischen Ausdrucksformen neu definiert.
Seine Arbeit überwindet konventionelle Grenzen und verbindet Malerei und digitale generative Kunst. Blejzyk konstruiert Strukturen aus vielen Elementen, in denen sich die Unterschiede zwischen statisch und dynamisch, analog und digital verwischen. Das Wechselspiel zwischen diesen Bereichen erzeugt ein Gefühl der ständigen Bewegung und Transformation. So thematisiert Blejzyk die Beziehung zwischen Form und Zeit und untersucht, wie sich ein scheinbar statisches Werk in den Augen der Betrachter*innen weiterentwickeln kann.
KOLORGANISM spricht sowohl die Sinne als auch den Verstand an und bringt die Betrachter*innen dazu, über die sich wandelnde Natur der Kunst im digitalen Zeitalter nachzudenken.