Montag, den 05. 03. 2012
TUN SIE ETWAS! (III)
Aus der Rede des ungarischen Dirigenten Ivan Fischer 2011 zum 9. November (Reichspogromnacht 1938):
(…) Lesen Sie die Hetzartikel? Sehen Sie die ultranationalistischen, fremdenfeindlichen und antiziganistischen Bewegungen, die europaweit zunehmen? Dann bitte ich Sie, endlich zu begreifen, dass in Europa nicht in erster Linie der Euro in Gefahr ist, sondern die Toleranz. Tun Sie etwas! Grenzen Sie sich von denen ab, die sich mit den Hetzern Kompromisse schließen und erschaffen Sie obligatorische Normen, die die Freiheit der BürgerInnen Europas garantieren!“ (…)
markus kupferblum : eigene & fremde manifeste
Vom Aufbegehren
Interludien : Lieder ohne Orte
Markus Kupferblum: (Violino Piccolo)
Christoph Cech: (Innen- & Aussenklavier)
Renald Deppe: (Doppelrohrblattgebläse)
»Gerade die politische, finanzielle, wirtschaftliche, kulturelle, glaubensmäßige, ideologische, einseitige Unterdrückung, die um so ärger ist, je mehr sie sich als schlaue Freizügigkeit tarnt, fordert meine tiefsten rebellischen Instinkte heraus, und ich werde nie aufhören, dagegen zu kämpfen.«
Luigi Nono
Tun Sie etwas: Jeden ersten Montag im Monat widmet “Lost & Found” jenen Anfängen, denen es stets zu wehren gilt. Gedacht wird an die vielen gewaltsamen Ausgrenzungen all jener selbsternannten (und manchmal auch mehrheitlich gewählten) Sitten-, Rassen-, Heimat- und Leistungswächter. Eingemahnt werden die schändlichen Vertreibungsstrategien all jener unheiligen Gralshüter, welche durch blutige Reinhaltungshysterien die von ihnen und ihresgleichen beanspruchten vermeintlichen Paradiese wertkonservieren wollen. „Der Trauernde siegt.“ Vielleicht hilft gerade diese von Laozi beschworene Ein-, Um-, Weit- und Weltsicht: Durch mahnendes Eingedenken der sinnlosen Aggression und Gewalt faschistoider Gemeinsamkeiten ein (frühzeitiges) Ende zu bereiten.
Tun Sie etwas! Zum Beispiel trauern. Jeden ersten MonatsMontag im Porgy & Bess.
Herzlich Willkommen: Renald Deppe.
P.S.:
Aber auch das sollte bitte (nicht nur) jeden ersten MonatsMontag möglich sein: Aus den Aufzeichnungen (1992-1993) eines Elias Canetti:
Bauern im südindischen Karnataka:
»Nach monatelangen fruchtlosen Protesten versammelten sie sich jetzt vor dem Parlamentsgebäude und lachten zwei Stunden lang die Regierung aus. 2000 Polizisten schauten tatenlos zu.«