Vermutlich kam niemandem größerer Einfluss auf Hans Bellmer und die Surrealisten zu als dem Marquis de Sade, hatte dieser doch tiefe Einsicht in Themen, mit denen Nietzsche und Freud später berühmt wurden – etwa in die Bedeutung der Macht, des Unterbewussten, und in die unwiderstehliche Besessenheit von Sex. Bellmer widmete Sade zwei wichtige Zyklen von Radierungen. In der Ausstellung werden komplette Serien und einige ausgewählte Zeichnungen gezeigt.
Wir bezweifeln, dass Bellmers Arbeiten aufgrund seiner erotischen Obsession vom Publikum als schwierig empfunden werden. Die Schwierigkeit liegt vielmehr darin, dass die Erotik bei Bellmer mit Tragik und Tod einhergeht; und damit können viele Menschen nicht umgehen. Bellmer war der pessimistischste Künstler nach Edvard Munch. Über seine Arbeit sagte er: »Meine Arbeit ist ein Skandal, wie auch das Leben ein Skandal ist.« Die wenigsten Menschen wollen wahrhaben, dass ihr Leben, zumal wenn es Tragik, Tod und Unsicherheit prägen, ein einziger Skandal ist. Und so ist es auch die in der Leere verankerte Erotik, die wir als schwierig empfinden, und nicht die Erotik an sich.