Lukas Ilgner - Shelter
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Lukas Ilgner, 1969 in Kaiserslautern geboren, lebt und arbeitet in Wien als Fotograf. Die Arbeit „Shelter” entstand im Winter 2012/2013.
Zur Zeit arbeitet er, neben seinen Auftragsarbeiten als Berufsfotograf, an einem langjährigen, künstlerischen Projekt zum Holocaust Mahnmal in Berlin.
Spaziergänge in Wien. Ich kenne Lukas Ilgner als jemanden, der mit Kamera und wachem Blick durch Wien wandert und sein Umfeld dokumentiert ohne dabei voyeuristisch zu werden. Sein Blick ist ein Hinschauen auf Augenhöhe.
„Shelter“ ist eine sozialkritische Arbeit, die aus dem Wiener Stadtpark von obdachlos gewordenen Menschen und deren Landnahme im öffentlichen Raum erzählt. In dieser Arbeit geht Lukas Ilgner über das reine Betrachten und Hinterfragen hinaus, indem er zu den 2012/2013 temporär im Stadtpark wohnenden Obdachlosen Kontakt aufnimmt. Zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten besucht er sie im Park, spricht mit ihnen und portraitiert sie mir ihrer Einwilligung gegen Honorar. Dabei geht er über das Subjekt-Objekt-Verhalten, das die Kamera provoziert, hinaus. Das Portraitieren geht Hand in Hand mit dem Kontaktaufnehmen und führt gleichzeitig zu einer konditionierten Blickadjustierung der PassantInnen (in Kamerarichtung), zwingt sie zu einer Auseinandersetzung. Der Prozess des Portraitierens gibt seinen Protagonisten Raum gesehen zu werden und ihre Geschichten zu erzählen.
Ist es notwendig die einzelnen Geschichten zu kennen?
Für Lukas Ilgner sicher, im Sinne einer Interaktion, eines Tauschgeschäfts, einer Annäherung, eines besseren Verstehens. Die ausgearbeiteten Bilder dienen später nicht einer dokumentarischen Wiedergabe von Fakten sondern der Kontemplation, geben den BetrachterInnen die Möglichkeit aus Details und Gesichtern Geschichten zu erdenken.
Schneckenhaus. Ich kenne Lukas Ilgner als jemanden, der mit Kamera, Stativ, verschiedenen Objektiven, mit einer ganzen fotografischen Ausrüstung am Rücken seine Wege geht. Ein Leben unterwegs, wo öffentlich und privat ineinander fließen.
Woraus besteht ein Zuhause, woraus Freiheit? Wie tief sitzt das Bedürfnis danach? Wie fühlt es sich an, wenn sich das Zuhause auf eine Parkbank reduziert, wenn sich die Privatsphäre und der Schutz vor der Witterung auf einen Schlafsack beschränken?
Der Begriff „Shelter“, englisch für Behausung, beinhaltet Schutz, sowie das Sich-zurück-ziehen. Es ist ein schmaler Grat zwischen einem Leben, welches den Grundbedürfnissen gerecht wird und einer Parkbank als Zuhause.
Vielleicht ist das der Grund warum wir lernen daran vorbei zu schauen.
Text: Olivia Jaques