Samstag, 9. Oktober
19:30 - 22:00
-EINTRITT FREI!-
Votivkirche
Rooseveltplatz 8
1090 Wien
WELTURAUFFÜHRUNG - gesungen und erzählt von: Sema
text: Nazim Hikmet / Bertolt Brecht
musik: Hanns Eisler/Kurt Weil
Tahsin Incirci / Zülfü Livaneli
Cem Karaca/Dieter Moritz
Tarik Öcal
inszenierung: Ann-Christin Rommen
bühnenausstattung: Erkal Yavi
bühnentechnik: Ata Güner
klavier: Orçun Orçunsel
cello: Çaglayan Çetin
übersetzungen: Ahmet Dogan
projektleitung: Özdem Petek
Zwei Dichter des 20. Jahrhunderts, die zu gleicher Zeit, in zwei verschiedenen Ländern ähnliche Schicksale geteilt haben, Naz?m Hikmet und Bertolt Brecht.
Beide haben mit ihren Gedanken, mit ihren Federn die Kunst unseres Zeitalters wesentlich geprägt. Beide sind Zeugen des Elends des 20. Jahrhunderts geworden, ihre Werke wurden verboten, ihre Bücher verbrannt, beide aus ihrer Heimat verbannt. Brecht's Schaffen bezog sich keineswegs nur auf eine lokal deutsche Problematik sondern ist universell auf alle Gesellschaften übertragbar.Und wenn Naz?m Hikmet in einem seiner Gedichte sagt "Meine Brüder / sind meine Haare auch blond / bin ich dennoch Asiat / sind meine Augen auch blau / bin ich doch Afrikaner", so möchte er seinen Schmerz und seine Sehnsucht mit der gesamten Menschheit teilen.
Beiden Dichtern wurde ein Leben in Freiheit in ihrer Heimat nicht gegönnt, beide mussten in ein gezwungenes Exil auswandern. Während Brecht in einem Gedicht seinen Aufenthalt im Exil mit den Worten "Schlag keinen Nagel an die Wand / Wirf den Rock auf den Stuhl / Die Nachricht, die dich heimruft / Ist in bekannter Sprache" ausdrückt, schreibt Naz?m am Strand von Varna beim Anblick eines Schiffes Richtung Heimat folgende Zeilen:"Ein Schiff zieht vorbei an Varna / Ein Schiff Richtung Bosporus / Nazim streichelt sanft das Schiff / Seine Hände verbrennen"
Während Sema ihre individuelle Interpretation der vertonten Gedichte von Nazim und Brecht durch ihre Stimme ausdrückt, möchte sie dem Betrachter die tiefgründige Bedeutung nicht nur musikalisch sondern auch visuell vermitteln. Die Lieder von Hikmet und Brecht werden von der bloßen Rezitation befreit und sichtbar gemacht.