ViennaAlwaysUnderConstruction–From Urban Wastelands to Urban Development
Palais Kabelwerk kA_12 ARTspace
Dienstag, 2. November 2010
Künstler/innen
Ulrich Gansert
Baustellen bedeuten immer eine Unterbrechung, Störung der eingefahrenen Gewohnheiten, der sogenannten Normalität in der Stadt. Es entsteht auch eine neue ungewohnte visuelle Situation, oft ein auffallendes Spektakel. Kinder spielten gern nach Feierabend in den Baustellen, weshalb vor keiner Baustelle das Schild ,,Betreten verboten, Eltern haften für ihre Kinder” fehlt. In der Umgebung größerer Baustellen entstehen Stadträume besonderer Art, der normale städtische Verkehr ist hier durch eine Art exterritoriale Ausnahmesituation unterbrochen, auf den Bauzäunen entstehen Graffitis mit unkonventionellen Statements, private Botschaften signalisieren Proteste, Sehnsüchte, Leidenschaften, Utopien und entfalten eine eigentümlich randständige Ästhetik. Auf manchen Baustellen, wo die Bebauung abgerissen wurde, nun aber durch Jahre hin ein Stillstand eintritt, erobert sich die Natur das Gelände zurück, es wachsen Gärten und Buschlandschaften. Oder durch die Öffnung des geschlossenen Stadtbildes entstehen Einblicke, Tiefblicke, oft bis in den Untergrund der Stadt. Nicht selten steht man wie von geologischen Kräften geprägten Urlandschaften gegenüber. Mit dem Baufortschritt wachsen Strukturen, die wie Fremdkörper feingliedrig, bizarr und roh zugleich sein können und ohne die abschließende Perfektion der letztendlichen Hülle der Gebäude wiederum einen überraschenden Ausdruck von Fremdheit haben. Dann, wenn sie fertig sind, präsentieren sich die neuen Bauten oft mit sich gegenseitig oder den Himmel spiegelnden Glasfassaden, welche neue optische Sensationen bieten. Dem Ensemble urbaner Situationen werden neue Lebensräume und Markierungen hinzugefügt und neue lebendige Zentren entstehen.