Eine lebensgroße Kunstfigur, gesichts- und geschlechtslos in einem weißen, futuristisch anmutenden Kostüm
steht in einem ehemals repräsentativen, jedoch von deutlichen Spuren des Verfalls gezeichneten Raum - eine Szene zwischen surrealem Traum und Science Fiction, seltsam jeder Zeit enthoben.
Tina Lechner sucht in aufwändiger Recherche verlassene Schlösser und Villen aus vergangenen Jahrhunderten, auratische Orte, die auf unbekannte Lebensgeschichten und Schicksale verweisen. Sie dringt heimlich in diese Gebäude ein und nimmt mit den von ihr entworfenen Wesen für einen Moment, den sie fotografisch festhält, von den Räumen Besitz.
Sie selbst posiert in den von ihr gefertigten Maskeraden aus Papier und Pappe und anderen Materialen, die sie für ihre Zwecke umwidmet und die im wahrsten Sinne des Wortes „Verkleidungen“ sind, Rüstungen, die die Person, die sie trägt, auslöschen oder unangreifbar macht.
Es geht Lechner dabei nicht um die Selbstinszenierung, vielmehr kreiert sie ein Anderes, wie einen Gegenentwurf zu einer aufgeladenen Vergangenheit, wobei nicht auszumachen ist, ob es sich dabei um ein beseeltes Ding oder ein entseeltes Wesen ohne jede reale Zuschreibung handelt. (Sabine Dortschy)
Tina Lechner studiert am Ordinariat für Kunst und Fotografie der Akademie der bildenden Künste Wien.