18.00 h TQW / Studios
MILLI BITTERLI (A)
Was ist los?
Menschen, die Sachen nur theoretisch machen, sind keine TheoretikerInnen. Menschen, die sich nicht fragen, was los ist, sind keine KünstlerInnen.
Allen Anfängen geht etwas voraus. Aber wie hält man es durch, über Dinge zu sprechen, die noch nicht zu sagen sind? Man baut Sequenzen und hofft, dass sie schlussendlich doch zu einem Prozess führen, indem sich etwas einstellt und zu »etwas wird, was es nicht bereits ist« (Bernhard Waldenfels). Das Finden der Form entwickelt eine Sogkraft, einen inneren Anspruch, der die auferlegte Aufgabenstellung übersteigt. Es gibt ein Beginnen, aber keinen Anfang. Könnte der Beginn doch genauso zielgerichtet und geradlinig verlaufen wie Startbahnen für Flugzeuge. Könnte man sich doch mehr als Passagier anstatt als Pilot seiner eigenen Arbeit fühlen.
Milli Bitterli ist Choreografin, Tänzerin, Performerin, Pädagogin. Sie lebt und arbeitet in Wien.
&
PATRICK PRIMAVESI (D)
Rekonstruieren, was gewesen sein wird
Warum interessieren wir uns immer wieder für Rekonstruktionen? Ihre Zeitform ist nicht einfach ein gegenwärtiger Rückgriff auf die Vergangenheit (ein vergangenes Werk, ein verlorener Tanz, eine vergessene Performance). Vielmehr arbeitet das Rekonstruieren an einer vergangenen Zukunft, von der aus sich die aktuelle Praxis zugleich theoretisch reflektieren und den Status der Theorie infrage stellen lässt: in einem Raum von Möglichkeiten, die ein früheres Tun eröffnet hat, eben dasjenige entdecken, was nicht verwirklicht wurde und damit doch seine Rekonstruierbarkeit nahelegt. Wer rekonstruiert, leiht den Körper, die Stimme einem noch ausstehenden Werk, das auch aus den Spuren oder Abdrücken erhaltener Dokumente nur uneigentlich zu uns zurückkehren kann, (Leih-)Gabe, Echo und Gespenst.
Patrick Primavesi ist Professor für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig und Direktor des Tanzarchivs Leipzig.
Milli Bitterli
Eintritt frei
Im Rahmen der REDEREIHE
Der Widerstand gegen die Theorie
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20.00 h TQW / Studios
Doppelprogramm
MIRIAM JAKOB (D)
Dynamic
(Österreichische Erstaufführung)
»Desire takes too much time. It’s linear.« (Deborah Hay)
Deborah Hay, eine der bekanntesten Vertreterinnen des amerikanischen Postmodern Dance, hat die Form des Solos und damit in Verbindung stehende Konzepte von Individualität und Autorschaft künstlerisch wie auch gesellschaftlich in ihrer Arbeit immer wieder in der Übertragung an andere Körper überprüft, herausgefordert und befragt. Dynamic ist das letzte Solo, das sie im Rahmen ihres Solo Performance Commissioning Project 2012 weitergegeben hat. Übermittelt durch den Score und das Coaching von Deborah Hay, adaptierte die Performerin Miriam Jakob in einer neunmonatigen Praxis die Choreografie. Die Auseinandersetzung mit paradoxen Handlungsanweisungen und das Miteinschließen von allen wahrnehmbaren Dimensionen von Zeit und Raum machen Dynamic zu einem nicht abschließbaren und immer wieder neu erfahrbaren Prozess. Dabei erweist sich der Körper als das ›zwingendste‹ aller Mittel, dem Hier und Jetzt zu begegnen und sich dadurch von Bewertungsmechanismen loszulösen.
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CHOREOGRAFIE: Deborah Hay
ADAPTION UND PERFORMANCE: Miriam Jakob
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KOPRODUKTION: Tanzquartier Wien
MIT UNTERSTÜTZUNG VON: Goethe Institut e.V.
KÜNSTLERISCHE BERATUNG: Antonia Baehr, Jeanine Durning
DANK AN: Aikidodojo Berlin
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KUNSTSTOFF (A)
Krawalle und Hiebe
(Uraufführung)
»Der Widerstand wohnt jeder Macht von Anfang an inne, wobei die Formen des Widerstands sich jenen der Macht anzupassen versuchen.« (Doron Rabinovici)
Das Internet und seine zunehmende Dominanz in der Medienlandschaft haben die Vermittlung gegenwärtiger Protestbewegungen wesentlich verändert: unsere Aufmerksamkeit ebenso wie unsere Perspektive auf die Bewegungen selbst. Das in Wien ansässige Künstlerinnenkollektiv kunststoff setzt in seiner Arbeit an der Performativität des Protests an und macht ihn als eine Bewegung sichtbar, die das Ziel gesellschaftlicher Umwälzung verfolgt und zugleich Instrument und Produkt einer komplexen Bilderpolitik ist. Krawalle und Hiebe ist die Weiterentwicklung einer Performance, die kunststoff im Rahmen des NachwuchschoreografInnen- Programms Werkstück 2012 am Tanzquartier Wien präsentiert hat. Im Fokus des Stückes steht die massenmedial beeinflusste Beziehung von Körper und Widerstand und ihr Einfluss auf die Praxis und Wahrnehmung von Protest.
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KONZEPT, CHOREOGRAFIE:
kunststoff (Waltraud Brauner, Christina
Huber, Stefanie Sternig)
PERFORMANCE: Waltraud Brauner,
Christina Huber, Stefanie Sternig
SOUND: Peter Plos
VIDEO: Adnan Popovic
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DRAMATURGISCHE
UNTERSTÜTZUNG: Chris Standfest
PRODUKTION: kunststoff
KOPRODUKTION:
Tanzquartier Wien
MIT UNTERSTÜTZUNG VON:
MA7 Kulturabteilung der Stadt Wien