Der Widerstand gegen die Theorie: Praxis versus Theorie / Inkonsistenzen

Theorie Zeitgenössische Kunst Vortrag
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MARCUS STEINWEG (D) / MARCELLVS L. (BR)
Doppelredereihe: Der Widerstand gegen die Theorie

MARCUS STEINWEG (D)
Praxis versus Theorie

Vielleicht verbindet Kunst mit Philosophie, dass sie ein Denken ist, das Praxis sein will, nicht nur Theorie. Vielleicht ist Philosophie die Komplizierung dieses allzu einfachen Gegensatzes Praxis versus Theorie. Nicht nur, weil Theorie ein Handeln impliziert, sondern auch, weil jedem Handeln – implizit, explizit – eine Theorie entspricht. Der Widerstand gegen die Theorie muss doppelter Widerstand sein: Widerstand gegen einen Theoriebegriff ohne performative Dimension einerseits. Widerstand gegen einen Begriff von Praxis oder Performativität, der seine theoretischen Implikationen ignoriert, andererseits. Kunst und Philosophie verbindet, diesen zwiefachen Widerstand zu artikulieren, indem sie sich den inkonsistenten Anteilen der konstituierten Realität (unserer »Welt«) zukehren, um das etablierte Realitätsmodell einer ebenso praktischen wie theoretischen Destabilisierung zu unterziehen.

Marcus Steinweg ist ein in Berlin lebender Philosoph.

&

MARCELLVS L. (BR)
Inkonsistenzen

Kunst bewegt sich an der Trennlinie zwischen Präsenz und Absenz, Konsistenz und Inkonsistenz von Realität. Sie indiziert den Unentscheidbarkeitsraum zwischen 0 und 1 oder, philosophisch gewendet, zwischen Nichts und Realität. Offenkundig geht es darum, dem etablierten Realitätsmodell sein Vertrauen zu entziehen. Realität ist vielleicht nichts als Theorie: eine Fiktion mit Wahrheitswert. Wie bei jedem Konstrukt handelt es sich auch bei ihr um eine über dem Abgrund ontologischer Inkonsistenz – dem Chaos, wie Deleuze & Guattari sagen – schwebende Architektur.

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