„A nameless country, with borders which are constantly in negotiation, their flag made of see-through plastic. Over there live people who believe in time.”
Lingering of an earlier event ist der Versuch einer Utopie. Im Mittelpunkt steht ein imaginäres Land, das sich noch nicht ereignet hat und dennoch – so scheint es – schon immer da war. In diesem Land spielt die Zeit keine besondere Rolle. Vielmehr kennzeichnet die radikale Verweigerung von Veränderungen das Zusammenleben der Bewohner und ermöglicht damit nicht nur unzählige und simultan sich ereignende Optionen des Handelns und Denkens, sondern auch die Möglichkeit eines dauerhaften Friedens. Eines Tages wird das Land von einem Nachbarstaat attackiert und Angst breitet sich aus.- Die Performance erzählt die Geschichte eines Landes, das versucht, nicht in den Krieg zu ziehen.
Für die norwegische Impure Company ist Kunst immer gleich Politik. In Lingering of an earlier event verlegt sie die Reflexion der Emotionen und Strukturen, die hinter Gruppenhierarchien, Gewalt und Macht stehen und deren Missbrauch in den Körper. So spontan die Arbeiten des norwegischen Choreografen und Regisseurs Hooman Sharifi auch scheinen mögen, ist ihre Direktheit und Intensität das Ergebnis einer äußerst genauen Choreografie. Mit bildhafter Konkretheit verdeutlichen die tanzenden Körper, wie sich strukturelle Gewalt auf das Individuum und die Gemeinschaft auswirkt und verhandeln so die Möglichkeiten einer Bewegung, die nicht ausschließlich auf Veränderung beruht.
CHOREOGRAFIE, KÜNSTLERISCHE LEITUNG UND LICHT: Hooman Sharifi